Ärzte Zeitung, 30.09.2004

In immer mehr deutschen Schlafzimmern lauern Bettwanzen

Vorkommen der Blutsauger in Berlin seit 1994 weit mehr als verzehnfacht / Hohe Dunkelziffer / Übertragungsrisiko von Krankheiten ungeklärt

BERLIN (ner). Die Zahl der mit Bettwanzen (Cimex lectularius) befallenen Haushalte nimmt in Deutschland offenbar zu. Die Stiche der Tiere sind an einer breitflächigen Hautrötung in der Größe des Kleinfingernagels zu erkennen. Kontaminierte Wohnungen sollten von einem zertifizierten Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen gesäubert werden.

Das Tropeninstitut in Berlin hat im Jahr 1992 gerade einmal fünf mit Bettwanzen befallene Häuser in der Hauptstadt registriert, zehn Jahre später waren es bereits 62, und in diesem Jahr sind es schon 76, berichtete Dr. Karolin Bauer-Dubau vom Bereich Medizinische Entomologie der "Ärzte Zeitung". "Die reellen Zahlen dürften drei- bis viermal höher sein", so die Biologin.

Denn viele Vermieter oder Hotels versuchen, den nicht meldepflichtigen Bettwanzen-Befall zu vertuschen. Bauer-Dubau führt den Befall auf den Reiseverkehr zurück. In Koffer- oder Rucksackverschlüssen verstecken sich die Wanzen und werden nicht nur aus tropischen und subtropischen Ländern, sondern auch aus Ost- und Südeuropa eingeschleppt.

Ob durch die blutsaugenden Parasiten etwa Hepatitis oder HIV übertragen werden kann, ist nicht untersucht. Stechen südamerikanische Raubwanzen, sei es theoretisch denkbar, daß die Tiere Trypanosomen-kontaminierten Kot abgeben. Dieser wird dann eingekratzt und so die Chagas-Krankheit übertragen, meint Bauer-Dubau.

Bettwanzen-Stiche sind flach und meist an den Extremitäten

Im Unterschied zu reihenartigen Flohstichen sind Bettwanzen-Stiche eher flach mit einer breitflächigen, Kleinfingernagel-großen Rötung. Sie finden sich an unbedeckten Körperstellen, meist der Extremitäten. Ein typisches Zeichen sind dunkle Tropfen auf der Haut. Dabei handelt es sich um Wanzen-Kot, der während des Stiches abgegeben wird.

Solche Kotspuren finden sich auch auf dem Schlafanzug oder auf der Tapete. Kleidungsstücke werden aber nicht befallen, weil die Wanzen auf Wolle oder Baumwolle nicht laufen können. Ein weiteres Zeichen ist der süßliche Geruch im Zimmer, den die Wanzen aus Duftdrüsen abgeben. Da sich die Tiere mehrmals häuten, sieht man bei gezielter Suche auch die zurückbleibenden Häutungshöhlen, etwa an der Rückseite des Sofas.

Wanzen kommen bis zu sechs Monate ohne Blutmahlzeit aus

Die Tiere selbst bekommt man meist nicht zu Gesicht. Sie verstecken sich hinter Bildern, in Steckdosen, Mauerritzen, Bettgestellen, Scheuerleisten oder hinter Tapeten - daher der Spitzname "Tapetenflunder". Da die Wanzen bis zu sechs Monate ohne Blutmahlzeit auskommen, können sie auch in leerstehenden Räumen oder Häusern lange Zeit überleben.

Am Insektizid-Einsatz, um die Wanzen loszuwerden, führe kein Weg vorbei, sagt Bauer-Dubau. Man sollte nur Schädlingsbekämpfungs-Unternehmen auswählen, die Mitglied im Deutschen Schädlingsbekämpfer-Verband (DSV) sind. Unerfahrene Schädlingsbekämpfer versäumen oftmals, vor Ausbringen der Pestizide Barrieren zu schaffen, so daß die Wanzen in andere Wohnungs- oder Hausbereiche fliehen können. Zudem ist in der Regel eine Zweitbekämpfung nach etwa vier Wochen erforderlich, um auch die aus den Eiern schlüpfenden Larven zu erfassen.

Weitere Infos: www.dsvonline.de, hier ist nach Eingabe der Postleitzahl ein geprüfter Schädlingsbekämpfer in der Nähe zu finden. Der Deutsche Schädlingsbekämpfer-Verband ist zu erreichen unter: Tel.: 0228-8198130; Fax: 0228-8198135, Infos zu Bettwanzen: http://www.schaedlings-hotline.de

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