Forschung und Praxis, 14.03.2005

Infektionsprophylaxe vor Reisen - meist sind Hausärzte die Ansprechpartner

Die Deutschen sind ein reiselustiges Volk - etwa 30 Millionen begeben sich jedes Jahr ins europäische Ausland oder unternehmen Fernreisen. Rechtzeitig vor Reiseantritt ist eine reisemedizinische Beratung wichtig - und hierbei sind Hausärzte meist die Ansprechpartner.

Dabei geht es nicht allein um eine geeignete medikamentöse Prophylaxe, etwa durch Impfungen. Die Patienten sollten auch über die möglichen Gefahren mit fremder Kost vor allem in Ländern mit schlechten hygienischen Bedingungen informiert werden, um das Risiko für Diarrhoen zu vermindern. So läßt sich bösen gesundheitlichen Überraschungen während und nach der Reise vorbeugen.

Empfehlung für Reiseimpfungen
Erkrankung Indikation Impfstoff/Serum Auffrischimpfung
Cholera
Einreisevorschrift für bestimmte Länder, WHO-Empfehlung besteht nicht
Dukoral® alle 2 Jahre
FSME
Aufenthalt in FSME-Risikogebieten Encepur®, FSME-Immun, Schnellimmunisierung innerhalb von 2 bis 3 Wochen möglich
alle 3 Jahre
Gelbfieber
Reisen in Gelbfieber-Endemie- gebiete wie tropisches Afrika und Südamerika
Stamaril®
alle 10 Jahre
Hepatitis A
Länder mit erhöhtem Hepatitis- A-Vorkommen (Süd- und Ost- Europa, Asien, Afrika, Mittel- und Südamerika)
HAVpur, Havrix, VAQTA, Kombination Hepatitis A- und B-Impfstoff: Twinrix
alle 10 Jahre
Hepatitis B
Reisen in Gebiete mit erhöhtem Hepatitis-B-Risiko, bei erhöhtem Infektionsrisiko und bei längeren Aufenthalten über einen Monat
Engerix®-B, HBVAXPRO® alle 10 Jahre
Poliomyelitis
Reisen in Länder mit Infektions- risiko (Afrika und Asien), wenn die letzte Impfung länger als 10 Jahre zurückliegt IPV Merieux®, IPV-Virelon® eine Auffrischimpfung im Alter von 9 bis 17 Jahren, danach nur bei Vorliegen eines Infek- tionsrisikos alle 10 Jahre; auch bei länger zurückliegender Grundimmunisierung ist eine einmalige Dosis ausreichend.
Tollwut Reisen in Länder mit hoher Tollwut-Inzidenz und erhöhter Exposition (z.B. Langzeitaufenthalte, Abenteuerreisen), besonders bei mangelhafter Impfstoff- und /oder ärztlicher Versorgung vor Ort. Rabipur®, Tollwut-Impfstoff (HDC) inaktiviert Wenn Titer < 0,5 I.E./ml (halbjährliche Ak-Kontrolle) bzw. 4. Dosis nach einem Jahr gegeben wurde: alle 2–5 Jahre (je nach Hersteller). Bei anhaltendem Risiko: alle 2 Jahre

Nach tollwutverdächtiger Biß- verletzung: vollständig Geimpfte erhalten eine Dosis am Tag 0, 3 oder nach Herstellerangaben und unvollständig Geimpfteam Tag 0, 3, 7, 14, 28 + Tollwut-Immunglobulin oder nach Herstellerangaben.
Typhus Reisen unter einfachen hygienischen Bedingungen in Endemiegebiete wie Nordafrika, Indischer Subkontinent, Südostasien Typherix®, TYPHiM Vi®, Typhoral L® oral: bei Reisen in Endemie- gebiete jährlich, bei Aufenthalt im Endemiegebiet alle 3 Jahre,
parenteral: alle 3 Jahre
Quelle: u. a. nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit e.V., Grafik: FORSCHUNG UND PRAXIS / ÄRZTE ZEITUNG
Rechtzeitig vor Reiseantritt sollte geklärt werden, welchen Impfschutz die Patienten benötigen.

Die reisemedizinische Beratung sollte auch zum Anlaß genommen werden, den Impfschutz für die in Deutschland empfohlenen Impfungen wie Tetanus und Diphtherie zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzufrischen. Kinder sollten zudem einen Impfschutz gegen Masern, Mumps und Röteln haben. Risikogruppen wie chronisch Kranke oder ältere Menschen sollten gegen Influenza und Pneumokokken geimpft sein.

Welche anderen Impfungen vorgenommen werden sollten, richtet sich nicht nur nach dem Reiseland, sondern auch nach Landesteil, Reisedauer, Art der Reise (etwa Hotelaufenthalt oder Trekking-Tour) und dem Expositionsrisiko sowie der noch verfügbaren Zeit bis zum Reiseantritt. Berücksichtigt werden muß zudem, ob ein erhöhtes persönliches Risiko besteht.

So sollten zum Beispiel Patienten mit chronischer Hepatitis C gegen Hepatitis A und B geimpft werden, um das Risiko für Komplikationen durch eine Superinfektion mit diesen Viren nicht zu erhöhen.

Bei Schwangeren ist in puncto Impfen Vorsicht geboten. Auf nicht dringend notwendige Impfungen sollte daher verzichtet werden. Dies gilt besonders für Lebendimpfstoffe, etwa gegen Gelbfieber, Masern, Mumps und Röteln.

Patienten, die in Länder mit Cholera-Risiko reisen, sollten gegen Cholera geimpft werden. Hierfür ist seit Januar dieses Jahres auch in Deutschland der Totimpfstoff Dukoral®, der bislang nur über internationale Apotheken erhältlich war, auf dem Markt.

Diese Schluckimpfung für Erwachsene und Kinder ab zwei Jahren schützt gegen die vier wichtigsten Stämme des Cholera-Erregers Vibrio cholerae 01 und dessen Toxine. Die Vakzine bietet zugleich einen gewissen Schutz gegen Infektionen mit ETEC (enterotoxische Escherichia coli), einem der häufigsten Erreger der Reisediarrhoe, da bestimmte Toxine von Vibrio cholerae in ihrer Struktur denen von ETEC ähneln.

Reisende in Gebiete mit Malaria-Gefahr sollten über prophylaktische Allgemeinmaßnahmen (lange Kleidung, Moskitonetz, Repellents) aufgeklärt werden. Ob eine Chemoprophylaxe nötig ist, richtet sich nach den vorherrschenden Plasmodienarten, der Resistenzlage, der Jahreszeit, Aufenthaltsdauer und Reiseart.

Zur Prophylaxe geeignet sind Atovaquon / Proguanil (Malarone®), Chloroquin (etwa Resochin®), Doxycyclin, Mefloquin (Lariam®) oder Proguanil (Paludrine®). Als Stand-by-Medikation werden Artemether / Lumefantrin (Riamet®), Atovaquon / Proguanil, Mefloquin und Chloroquin empfohlen. (mar)

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