Ärzte Zeitung, 16.03.2005

Hausärzte werden zunehmend mit Dengue-Fieber konfrontiert

Reisemedizinisch tätige Ärzte sollten Dengue-Schnelltest in der Praxis haben / Das Dengue-Virus ist inzwischen in über 100 Ländern endemisch

BERLIN (ug). Es macht Sinn, einen Dengue-Schnelltest in der Praxis zu haben. Der sei nicht teuer, werde aber zunehmend gebraucht. Denn reisemedizinisch tätige Ärzte würden immer öfter mit dieser Tropenkrankheit konfontiert: "Dengue-Fieber ist häufig und wird noch häufiger werden", sagte Privatdozent Tomas Jelinek vom Tropeninstitut Berlin auf dem 6. Forum "Reisen und Gesundheit" in Berlin.

Dengue-Fieber sei die "kommende Tropenkrankheit", so Jelinek auf dem Ärzte-Forum, das das Centrum für Reisemedizin in Düsseldorf, das Auswärtige Amt und das Institut für Tropenmedizin Berlin auf der Internationalen Tourismus-Börse veranstaltet haben. 2003 wurden dem Robert-Koch-Institut 131 Dengue-Fieber-Infektionen gemeldet.

    Einzige Prophylaxe für Touristen ist guter Mückenschutz.
   

Deutsche Touristen haben die Infektion vor allem aus Süd- und Südostasien mitgebracht. "Aber inzwischen hat der ganze tropische Gürtel Dengue", sagte Jelinek. Auch in den USA, etwa auf Hawaii, gebe es jetzt Dengue-Fieber. Die Überträgermücke Aedes aegypti kommt auch in Südeuropa vor, in Deutschland aber nicht.

In den 50er Jahren war Dengue-Fieber nur in einer kleinen asiatischen Region endemisch, es gab nur 908 Infizierte. In den 90er Jahren wurden schon fast 500 000 Infizierte von der WHO registriert - diese Zahl sei sicher zu niedrig, so Jelinek.

"Sowohl das Virus als auch die Aedes-Mücke profitieren enorm von der Ausbreitung von Siedlungen in den Tropen und der Zunahme der internationalen Reiseaktivität." Der Überträgermücke reicht zum Brüten ein wenig Wasser etwa in alten Autoreifen oder in Untersetzern von Blumentöpfen. Die Krankheit ist inzwischen in über 100 Ländern endemisch.

"Dengue-Fieber ist eine schnelle Krankheit", sagte Jelinek. Die Inkubationszeit betrage nur zwei bis zehn Tage, die Touristen würden meist noch vor Ort krank. In die Hausarzt-Praxis kommen sie dann mit einem Exanthem - "die sind schön rot" -, starken Glieder- und Kopfschmerzen.

Typisch sind auch Petechien. Der Schnelltest (von PanBio, in Deutschland vertrieben von Genzyme Virotech) hilft weiter. Malaria muß immer ausgeschlossen werden. Die Therapie ist symptomatisch. Allerdings sollte kein ASS, sondern Metamizol gegeben werden.

Es gebe keine einzige effektive Prophylaxe-Maßnahme, machte der Tropenmediziner klar. Eine Impfung zu entwickeln, ist schwierig. Sie muß gegen alle vier Serotypen des Virus wirken. Jelinek rechnet damit erst in acht bis zehn Jahren. Bis dahin hilft nur, Mückenstiche zu vermeiden. Und zwar tagsüber, denn Aedes-Mücken sind tagaktiv.

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