Ärzte Zeitung, 28.11.2005

IM GESPRÄCH

Reisende, die auf Nummer Sicher gehen wollen, sollten eine Woche vor der Abreise gegen Tollwut geimpft sein

Von Werner Stingl

Jährlich reisen mehr als vier Millionen Bundesbürger in Länder mit hoher Tollwutendemie wie Vietnam, Kambodscha, Thailand oder Indien. Welche Empfehlungen sollte man diesen Menschen in der reisemedizinischen Beratung mitgeben?

In den Tropen ist das Tollwut-Risiko hoch
Von Südamerika über ganz Afrika bis nach Indonesien zieht sich das Gebiet, in dem nach Tierbissen ein hohes Tollwutrisiko besteht. Reisenden in solche Länder ist zu einer Tollwutimpfung rechtzeitig vor Reiseantritt zu raten.

Auf der sichersten Seite stehen Reisende, die spätestens eine Woche vor Reiseantritt eine aktive Immunisierung gegen Tollwut mit einem effektiven und verträglichen Zellkultur-Impfstoff wie Rabipur® abgeschlossen haben, hat Dr. Stefan Ross vom Institut für Virologie der Universität Essen bei einer Veranstaltung von Chiron Vaccines Behring in München betont. Doch nicht jeder Reisende nimmt diesen Rat auch an.

Das Spiel mit streunenden Hunden an an tropischen Stränden sollte man besser lassen. Foto: Chiron Vaccines Behring

Für Geimpfte und viel mehr noch für Nichtgeimpfte gilt die Devise, im Reiseland den direkten Kontakt zu streunenden Hunden, Katzen und anderen Überträgern wie Tempelaffen, zu meiden. Klassische, kaum übersehbare Tollwut-Symptome bei Tieren sind Schaum vor dem Maul und Raserei, doch diese Symptome sind eher selten. Die Erreger können bereits im Speichel eines verspielten Welpen am Palmenstrand stecken. Wichtig ist denn auch, Kinder konsequent vom Umgang mit solchen Tieren abzuhalten.

Wird man in einem Tollwutendemiegebiet von einem Säugetier gebissen, gilt es - egal ob geimpft oder nicht, - die Wunde sofort gründlich auszuwaschen. Wegen seines hohen Lipidanteils ist das Tollwutvirus sehr empfindlich gegen Seifen und Laugen. Ist kein Wasser zur Hand, lohnt es sich auch mit Cola- oder Bier zu waschen. Ungeimpfte Menschen brauchen zudem dringend eine Postexpositionsprophylaxe mit Tollwut-Immunglobulinen (etwa Berirab®) und einem verträglichen Impfstoff. Beide sind aber in einigen unterentwickelten Ländern nicht verfügbar.

Mit einem alten, einfach hergestellten nebenwirkungsträchtigen Nervengewebs-Impfstoff sollte man sich besser nicht impfen lassen, so Ross. Besser sei die sofortige Heimreise oder Weiterreise - im Fall des Falles zählt fast jede Stunde - um sich postexpositionell behandeln zu lassen: mit Immunglobulinen plus Impfung (fünf Injektionen an den Tagen 0, 3, 7, 14 und 28).

War im Urlaubsland kein Immunglobulin verfügbar, konnte aber bereits mit einer Impfung begonnen werden, ist die notwendige Impf-Serie zu Hause zu komplettieren. Liegt die erste Impfdosis dabei länger als sieben Tage zurück, dürfen keine Tollwut-Immunglobuline mehr verabreicht werden. Sie können dann möglicherweise eine bestmögliche Immunantwort stören.

Patienten, die zuvor geimpft waren, brauchen nach dem Biß eines Tieres, das vielleicht Tollwut hatte, keine Immunglobuline. Es genügt dann eine aktive Auffrischimpfung mit zwei Injektionen im Abstand von drei Tagen. Auch wenn die WHO diese Auffrischung sicherheitshalber empfiehlt, könnten komplett Geimpfte höchstwahrscheinlich darauf verzichten, sagt Dr. Christian Schönfeld vom Tropeninstitut in Berlin. Zumindest könne man sich durchaus ein paar Tage Zeit nehmen, bis man zur Nachimpfung nach Hause kommt oder ein moderner Impfstoff am Ort verfügbar ist.

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