Ärzte Zeitung, 12.04.2006

"Wichtig bei Schlangenbiß: Gliedmaß ruhigstellen!"

Spezialist warnt vor Aussaugen und Ausschneiden der Wunde / Anruf bei Giftzentrale klärt, ob Antidot notwendig ist

BERLIN (gvg). Jetzt wird es wärmer, und man kann wieder Schlangen begegnen. Wer von einer Kreuzotter gebissen wird, sollte die verletzte Extremität ruhig stellen. Nicht immer ist ein Antidot nötig. Gefährliche systemische Reaktionen wie anhaltend niedriger Blutdruck sind selten. Sie kommen besonders bei Kindern und Alten vor.

Typisch für die giftigen Kreuzottern sind das dunkle Zickzack-Muster. Die übrige Färbung ist variabel. Foto: dpa

Kreuzottern leben in Deutschland vor allem am Niederrhein, in den südlichen Mittelgebirgen und in den Alpen. Doch auch Küsten sind ihr Jagdrevier - auf Rügen ist im Jahr 2004 eine Rentnerin nach einem Biß der Schlange gestorben.

Bisse der einzigen heimischen Giftschlange können sehr schmerzhaft sein. Mitunter sind sie aber auch völlig schmerzlos und werden erst im Nachhinein durch die typischen zwei Bißstellen, eine lokale Rötung und Schwellung auffällig. Systemische Vergiftungserscheinungen seien die absolute Ausnahme, berichtet der Infektionsmediziner Dr. David Warrel von der Universität Oxford in Großbritannien (BMJ 331, 2005, 1244).

Treten systemische Reaktionen auf, dann sind ein bis zwei Stunden nach dem Biß Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche typisch. "Vor allem ein anhaltend niedriger Blutdruck ist ein Alarmzeichen", so Warrel.

Todesursache ist in der Regel eine Atemlähmung. Aber auch schwere anaphylaktische Reaktionen kämen vor. Innere Blutungen träten dagegen, anders als oft angenommen, eher selten auf. Sie seien in Zusammenhang mit einer Heparinapplikation beschrieben worden - von einer solchen Therapie rät Warrel deshalb ab.

Unbedingt verzichtet werden sollte auf alle Versuche, die Wunde zu reinigen, auszusaugen oder auszuschneiden. Auch Kompressionsverbände oder das Abbinden der verletzten Extremität mit einem Stauschlauch oder Ähnlichem seien kontraindiziert.

Wichtigste Maßnahme ist es, die Extremität mit einer Schiene ruhig zu stellen und Spezialisten, etwa in Giftinformationszentralen zu fragen, ob und wann ein Antidot verabreicht werden muß.

Wegen der Gefahr von Serumreaktionen wird das nicht pauschal empfohlen, sondern nur dann, wenn Komplikationen drohen. Die Giftinformationszentrale der Universität Bonn schlägt für die Akutphase außerdem Kaffee oder Tee zur Kreislaufstabilisierung vor.

Von zunehmender Bedeutung sind übrigens Bisse von exotischen Schlangen, die als legale oder illegale Haustiere gehalten werden. Auch hier sind Ruhigstellung und die Beratung durch Experten die wichtigsten Maßnahmen. Und: Ein Foto der Schlange ist möglicherweise lebensrettend, weil man das Reptil erkennen und gegebenenfalls ein Antidot spritzen könnte.

Weitere Infos zu Kreuzotterbissen: www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/k-otter.html

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