Ärzte Zeitung, 28.03.2006

Was zur Ersten Hilfe bei Unfällen mit Gifttieren gehört

Reisemedizinische Beratung von Trekkern

BERLIN (ug). Über Unfälle mit Gifttieren sollte man in der reisemedizinischen Beratung vor allem mit denen sprechen, die in Tropen oder Subtropen auf Trekkingtour gehen wollen.

Ihr Gift ist hämo- und neurotoxisch: eine Schlegelsche Lanzenotter aus Mittelamerika. Foto: ug

Der Verlauf von Vergiftungen nach dem Biß einer Schlange oder dem Stich eines Skorpions könne sehr dramatisch sein, so der Rechtsmediziner Professor Dietrich Mebs aus Frankfurt am Main auf einem reisemedizinischen Symposium in Berlin, das das Centrum für Reisemedizin, das Auswärtige Amt und das Tropeninstitut Berlin veranstaltet haben.

Die meisten Vergiftungen durch Tiere seien aber nicht tödlich: Die Mortalitätsrate nach dem Biß von Giftschlangen liege selten über 20 Prozent, selbst ohne Behandlung, so Mebs. Die Maßnahmen zur Ersten Hilfe sollten reisemedizinische Berater vor der Tour erklären:

  • Der Betroffene muß beruhigt werden.
  • Zu unterlassen sind: Einschneiden, Aussaugen oder Auspressen der Bißstelle. Arm oder Bein dürfen niemals abgebunden werden. In die Bißstelle darf nichts eingerieben oder gespritzt werden. Die Bißstelle darf weder gekühlt noch erwärmt werden. Dem Betroffenen darf kein Alkohol oder Kaffee und auch nichts zu essen gegeben werden.
  • Die betroffene Extremität muß ruhiggestellt werden (Arm in Schlinge, Bein schienen), unter Umständen ist Schocklagerung nötig.
  • Ringe und Armbänder müssen entfernt werden (wegen möglicher Ödembildung).
  • Wenn es gefahrlos möglich ist, sollte das Tier identifiziert werden.
  • Rascher Transport zum nächsten Arzt.
  • Die Vitalfunktion muß aufrechterhalten werden.

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