Ärzte Zeitung, 21.03.2007

Toxin aus Algen in Muscheln kann tödlich sein

Algengift macht Muscheln ungenießbar / Aktuelle Informationen beim Centrum für Reisemedizin

BERLIN (ug). Wer im Urlaub Fisch oder Muscheln isst, muss aufpassen: Gelegentlich enthalten die Tiere Toxine von Algen. Meist verursachen solche Gifte nur Durchfall und Erbrechen, einige können jedoch über Monate hinweg neurologische Symptome wie Ataxien hervorrufen, das Gehirn irreversibel schädigen oder tödlich wirken.

Vor allem im Indischen sowie Pazifischen Ozean, aber auch in der Karibik kommt es saisonal immer wieder zu Muschelvergiftungen mit ZNS-Beteiligung. Ursache ist eine plötzliche massenhafte Vermehrung toxischer Algen.

Nach wenigen Tagen ist die Blüte oft vorbei, weil Muscheln und Fische die Algen gefressen haben. Landen solche Tiere auf dem Speiseteller, können sie Menschen gefährden. Vor kurzem sind Muschelvergiftungen aber auch in Nordkanada beobachtet worden "Hier sind Menschen drei bis vier Stunden nach der Mahlzeit plötzlich ins Koma gefallen," so Professor Dietrich Mebs vom Institut für Rechtsmedizin in Frankfurt/Main.

Fünf Patienten starben an der Vergiftung, bei einigen war das Kurzzeitgedächtnis nach der Vergiftung irreversibel geschädigt. Das Toxin stammte von Kieselalgen, die nie im Verdacht standen, so etwas auszulösen, wie Mebs in Berlin auf einem Forum des Centrums für Reisemedizin und des Auswärtigen Amtes sagte. Er rät deshalb, sich im Urlaub beim Verzehr von Meeresfrüchten zurückzuhalten.

Die in den Tropen häufigste Vergiftung durch Algentoxine nach Fischverzehr wird als Ciguatera bezeichnet. Die Erkrankung tritt vor allem in der Karibik und im Indopazifik-Raum auf. Jedes Jahr erkranken daran etwa 10 000 bis 50 000 Menschen. Raubfische wie Barrakudas enthalten oft die größten Toxin-Mengen.

Charakteristisch für Ciguatera sind kurz oder erst Stunden nach der Fischmahlzeit auftretende Symptome wie Erbrechen und Durchfall. Das sei nach 24 Stunden vorbei, aber dann stelle sich oft etwas Merkwürdiges ein, so Mebs: eine Umkehrung des Kalt-Warm-Empfindens. Kaltes wird als heiß erlebt, Warmes als kalt. Auch Reflexminderung, Ataxien, Schwindel und ein penetranter Juckreiz sind möglich. Diese neurologischen Symptome halten oft Wochen bis Monate an.

Die Prognose bei Ciguatera ist gut. Nur für alte und geschwächte Menschen kann es gefährlich werden: Sie können durch starke Elektrolytverluste oder Kreislaufprobleme sterben. Außer Elektrolyt- und Flüssigkeitssubstitution gibt es keine Therapie.

Aktuelle Infos zu Ländern, in denen saisonal Fischvergiftungen möglich sind, gibt es unter www.crm.de/laender

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