Ärzte Zeitung, 06.07.2016

Artemisinin

Resistenzen nehmen zu

Weltweit ist die Malaria zwar auf dem Rückzug, aber es erkranken jedes Jahr immer noch Millionen Menschen daran.

Nach Angaben der WHO hat sich die Malariainzidenz von 2000 bis 2015 um 37 Prozent verringert. Doch 2015 sind noch immer mehr als 210 Millionen Menschen an der Parasitose durch Plasmodien erkrankt und fast 440.000 daran gestorben (aktueller WHO-Malaria-Report). Vor allem Kinder unter fünf Jahren sind betroffen. In Deutschland werden jährlich zwischen 500 und 600 Malariadiagnosen gemeldet, die in der Regel bei Reiserückkehrern gestellt werden.

Plasmodien können sich zunehmend besser gegen Artemisinin wehren. Dies gelte besonders für Südostasien, wo die Resistenzraten in einigen Regionen mittlerweile deutlich über 70 Prozent lägen, sagte Professor Tomas Jelinek, CRM in Düsseldorf, bei einer Veranstaltung in Berlin. "Das hat für uns jetzt ganz konkrete Konsequenzen. Wir haben unsere Beratung umgestellt und geben keine Artemisinin-Präparate mehr als Notfallmedikation mit. Derzeit ist in dieser Region Atovaquon/Proguanil für die Notfallmedikation unsere einzige Option."

In der Diagnostik hat sich in den letzten zwei Jahren kaum etwas geändert, wie Dr. Fritz Holst, Tropen- und Reisemedizinisches Zentrum, Marburg, der "Ärzte Zeitung" beim Internistenkongress in Mannheim sagte. Noch immer ist der Dicke Tropfen die Standardmethode, also der unfixierte, luftgetrocknete dicke Blutausstrich. Der Leitlinie zufolge ist die Sensitivität für den Nachweis von Plasmodien im Dicken Tropfen im Vergleich zum dünnen Blutausstrich (Methanol-fixiert, ungefärbt) um etwa das Zehnfache erhöht. Als große Hilfe haben sich Schnelltests erwiesen. Mittlerweile seien sie so gut validiert, dass bei Malaria tropica durch Plasmodium falciparum eine 90 prozentige Sensitivität und Spezifität erreicht werde, so Holst. Innerhalb von 15 Minuten liege das Ergebnis vor.

Auch bei der Therapie von Malaria-Kranken hat sich in den vergangenen Jahren nicht viel verändert. Allerdings: Seit Anfang des Jahres ist Mefloquin in Deutschland nicht mehr zugelassen. Es könne zwar über die internationale Apotheke bestellt werden, so Holst. Aber die Lieferung für die Anwendung zur Therapie dauere zu lange, sodass Mefloquin nicht mehr für die Behandlung, sondern nur noch für die Prophylaxe infrage komme. Doch für die erfolgreiche Therapie stehen noch immer drei Kombinationen zur Verfügung: Atovaquon plus Proguanil, Artemether plus Lumefantrin sowie Dihydroartemisinin plus Piperaquin. (ple/gvg/ikr)

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