Ärzte Zeitung, 17.06.2008

Weniger Schulabbrecher, mehr Akademiker

Vor dem "Qualifizierungsgipfel" mit Kanzlerin Merkel und Ministerpräsidenten werden ehrgeizige Ziele formuliert

BERLIN (dpa). Kultusminister und Bundesregierung haben die Vorbereitungen für einen "Qualifizierungsgipfel" von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten aufgenommen, der im Oktober stattfinden soll.

Weniger Schul- und Ausbildungsabbrecher, mehr Studenten und Akademiker, eine bessere Sprachförderung von Kindern bereits vor der Einschulung sowie mehr Stipendien für qualifizierte Berufstägige, die ohne klassisches Abitur ein Studium aufnehmen - das sind einige der angestrebten Projekte.

Die Länder bestehen offenbar darauf, dass ihre vorrangige Zuständigkeit für die Bildung strikt beachtet wird. Danach wollen sich die Länder bereit erklären, die Zahl der Schul- und Ausbildungsabbrecher "wenn möglich" zu halbieren. Einige Länder streben auch eine Veränderung der Statistik an. Als Schulabbrecher oder "Abgänger ohne Schulabschluss" gilt bisher, wer keinen Hauptschulabschluss erzielt. Jetzt soll geprüft werden, wie auch bestimmte Sonderschulabschlüsse in die Statistik "eingerechnet werden können".

Zusammen mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) soll die Berufswahlorientierung vor allem von Hauptschülern verbessert werden. "Warteschleifen" zwischen Schule und Berufseinmündung sollen abgebaut, durch den Einsatz von "Ausbildungsbausteinen" soll die nachträgliche Qualifizierung der Jugendlichen verbessert werden.

Kein Einvernehmen gibt es bisher über eine vom Bund vorgeschlagene "Zielvereinbarung", wonach die Länder ab 2009 für 95 Prozent jedes Altersjahrganges die Ausbildungsreife der Jugendlichen garantieren sollen. Die verbliebenen fünf Prozent sollten von der BA gefördert werden. Vor allem Baden-Württemberg lehnt eine solche Konkretisierung ab. Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Familienministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) forderten gemeinsam die Länder auf, das in den nächsten Jahren durch den Schülerrückgang eingesparte Geld für eine bessere Bildung zu nutzen. Schon in diesem Jahr gebe es in Folge der demografischen Entwicklung 33 000 Schüler weniger in Deutschland. Bis 2015 spare der Staat dadurch insgesamt 25 Milliarden Euro.

"Diese Rendite muss im Bildungsbereich bleiben", sagten die beiden Ministerinnen bei einem gemeinsamen Auftritt.

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