Ärzte Zeitung, 01.04.2009

Übergewichtige Kinder brauchen Netzwerke und die Eltern als Vorbilder

Studie stellt Bewegungsarmut bei Kindern fest / Von der Leyen: "Raus an die Luft"

KARLSRUHE (dpa). Kindergärten, Schulen und staatliche Stellen müssen sich nach Ansicht von Experten gemeinsam stärker gegen Übergewicht und Bewegungsarmut bei Kindern engagieren.

"Es gibt viele gute Modelle, aber sie sind zu wenig vernetzt", sagte Professor Klaus Bös vom Institut für Sport und Sportwissenschaften an der Universität Karlsruhe beim Kinderturn-Kongress an der Hochschule. "Eltern müssen in stärkerem Maße ihre Vorbildfunktion wahrnehmen", so Bös.

Nach einer vor zwei Jahren in Teilen veröffentlichten Studie der Universität haben viele Kinder und Jugendliche große motorische Schwächen und sind nicht in der Lage, selbst einfache sportliche Aufgaben zu meistern. Gründe sind nach der Untersuchung "häufige Inaktivität, mit zunehmendem Alter sinkende Bereitschaft sich anzustrengen sowie Übergewicht und Adipositas". Darüber hinaus beeinflussen Sozialstatus, Migrationshintergrund oder die Wohngegend die Bewegungsbereitschaft und damit die Motorik.

"Wer sich schon als kleines Kind zu wenig bewegt, dem geht später allzu schnell die Puste aus. Wer aber früh lernt, dass sportliche Anstrengung glücklich macht, überwindet auch später als Erwachsener leichter den inneren Schweinehund", erklärte Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie sieht vor allem die Eltern gefordert, gemeinsam mit den Kindern "raus an die frische Luft zu gehen, zu bolzen oder mit dem Rad zu fahren".

Beim Lauf mit rund 1000 Kindern anlässlich des Karlsruher Kongresses stellte Bös wieder fest: "Die Laufkompetenz der Kinder steht in keiner Relation zur Begeisterung. Das macht einen ein Stück weit betroffen."

Nach der Motorik-Studie spielen Vier- bis Fünfjährige im Schnitt noch sechs Tage pro Woche im Freien. Die Elf- bis 17-Jährigen sind dagegen nur noch dreieinhalb Tage draußen. Vor allem die Fähigkeit, körperliche Kraft zu entwickeln, hat sich demnach in den vergangenen 30 Jahren um 14 Prozent verschlechtert. Mehr als ein Drittel der getesteten Kinder und Jugendlichen im Alter von vier bis 17 Jahren konnte nicht zwei oder mehr Schritte auf einem Balken rückwärts balancieren. 86 Prozent konnten keine Minute auf einem Bein stehen.

www.motorik-modul.de/studie.html

Topics
Schlagworte
Schule (664)
Krankheiten
Adipositas (3083)
Personen
Ursula von der Leyen (330)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »