Ärzte Zeitung, 16.07.2011

Lehrer-Alltag zwischen Lust und Frust

Hätten sie noch einmal die Wahl, würden sich drei von vier Lehrern erneut für diesen Beruf entscheiden. Eine aktuelle Befragung im Auftrag der Vodafone Stiftung zeigt aber auch: Die Widersprüche in Schulen werden größer, Lehrer stoßen häufig an ihre Grenzen.

Lehrer-Alltag zwischen Lust und Frust

Motivierte Lehrer, große Herausforderungen: Probleme gibt’s oft, weil Eltern nicht mitziehen.

© Franck Boston / fotolia.com

Schulen haben aus Sicht der Bevölkerung einen umfassenden Bildungsauftrag. Erwartet werden nach dem Ende der Schulzeit nicht nur eine gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik (86 Prozent) und eine gute Allgemeinbildung (79 Prozent) - ebenso sollen Schulen Werte wie Pünktlichkeit und Hilfsbereitschaft (jeweils 66 Prozent) sowie Leistungsbereitschaft (65 Prozent) vermitteln.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland zur diesjährigen Ausschreibung des Wettbewerbs "Deutscher Lehrerpreis - Unterricht innovativ". Befragt wurden 2227 repräsentativ ausgewählte Bundesbürger sowie 536 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen in Deutschland.

Vermittlung von Werten ist Kernaufgabe

Eine überwiegende Mehrheit der Lehrer in Deutschland teilt die Ansicht der Bevölkerung zum Bildungsauftrag: So sind 87 Prozent der Meinung, dass die Vermittlung von Werten zu ihrer Aufgabe gehört. Die praktische Umsetzung beurteilen viele Lehrer allerdings skeptisch. Lediglich gut ein Drittel (37 Prozent) gibt an, dass ihnen die Vermittlung von Werten in der Regel gelingt, bei Lehrern an Hauptschulen sind es sogar nur 17 Prozent.

Fast die Hälfte (48 Prozent) der Lehrkräfte ist der Meinung, dass sie nur wenig bis keinen Einfluss auf die Schüler haben. Einen sehr großen Einfluss dagegen haben nach Einschätzung der Lehrer die Medien (69 Prozent), der Freundeskreis (68 Prozent) und mit deutlichem Abstand die Eltern (31 Prozent).

Lediglich acht Prozent der Lehrer sagen von sich selbst, dass sie sehr großen Einfluss haben.

Lehrer-Alltag zwischen Lust und Frust

 

Über alle Schulformen hinweg ist aus Sicht der Lehrer das Unterrichten in den vergangenen fünf bis zehn Jahren anstrengender geworden - 57 Prozent teilen diese Ansicht.

Dennoch würde sich eine große Mehrheit von 76 Prozent wieder dafür entscheiden, Lehrer zu werden.

Neben einer starken Prägung durch die Medien (90 Prozent), beklagen drei Viertel der befragten Lehrer bei ihren Schülern vor allem Konzentrationsprobleme sowie eine zu materialistische Einstellung (71 Prozent). 69 Prozent der Lehrkräfte sind dafür, bei der Erziehung mehr Wert auf Disziplin und Durchhaltevermögen zu legen.

Bei der Frage, welche Erfahrungen Lehrer schon öfter mit Eltern gemacht haben, steht für 78 Prozent das Thema Überforderung bei der Erziehung ganz oben. Eltern achten nach Ansicht von 78 Prozent der Lehrer zu wenig darauf, wie ihre Kinder die Freizeit verbringen.

Eltern-Interesse differiert nach Schulgattung

Rund drei Viertel (74 Prozent) der Hauptschullehrer, aber nur 28 Prozent der Gymnasiallehrer geben an, dass sich Eltern zu wenig für die schulischen Leistungen ihrer Kinder interessieren."Einmal mehr wird deutlich, dass die Qualität von Schule und Unterricht in hohem Maße von außerschulischen Faktoren wie etwa Erziehungsdefiziten im Elternhaus geprägt ist", erläuterte Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland, die Ergebnisse der Studie.

Um gerechte Bildungschancen und optimale Fördermöglichkeiten für Kinder zu schaffen, sei es deshalb zwingend notwendig, Eltern so früh wie möglich bei der Bewältigung ihrer Erziehungsaufgabe zu stärken. (eb/fuh)

www.lehrerpreis.de

Topics
Schlagworte
Schule (635)
Organisationen
Vodafone (62)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »