Ärzte Zeitung App, 10.02.2014

Kranke Schüler

Per Video-Konferenz ins Klassenzimmer

Den Unterricht nicht verpassen - das ist für viele kranke Schüler wichtig. Mit einem mobilen Video-System sind sie beim Unterricht dabei.

Von Pete Smith

Per Video-Konferenz ins Klassenzimmer

Mit einem Klick ins Klassenzimmer: Schülerin Daphne kann so zeitweise dem Unterricht folgen.

© Smith

Daphne ist seit einem Jahr in der Kinderonkologie des Universitätsklinikums Frankfurt am Main in Behandlung. Die Elfjährige hat ein Osteosarkom im Bein.

Bis zu ihrer Erkrankung ging sie in die Französische Schule in Eschborn bei Frankfurt.

Um den Kontakt zu ihren Klassenkameraden und Lehrern zu halten, nimmt sie seit Kurzem am PC-gestützten Unterricht für langzeiterkrankte Schüler (P.U.L.S.) teil.

Das vom Verein Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt initiierte und 2008 gestartete Projekt soll dazu beitragen, die soziale Isolation junger Patienten zu durchbrechen und ihre Wiedereingliederung zu erleichtern.

Kamera im Klassenzimmer schwenken

Mithilfe einer Kamera und eines Mikrofons wohnt Daphne mehrere Stunden in der Woche dem Unterricht ihrer Mitschüler bei.

Über die Tastatur kann sie die Kamera im Klassenzimmer schwenken, auf die Tafel zoomen und per Headset mit Lehrern und Klassenkameraden kommunizieren.

Eine Webcam an ihrem PC wiederum setzt Daphne für ihre Mitschüler ins Bild. Wie viel sie von sich preisgibt, entscheidet sie selbst. "Am Anfang war es seltsam, nicht in der Klasse zu sein, aber alle zu sehen", erzählt Daphne.

Ihre Klassenkameraden hätten sich nach der ersten Stunde ganz nah an die Kamera gedrängt, um sich von ihr zu verabschieden. Das habe sie traurig gemacht, weil sie allein zurückblieb.

Inzwischen jedoch freut sie sich auf jede Stunde am Computer. "Ich hätte gern mehr Unterricht", sagt sie, "damit ich die Klasse nicht wiederholen muss." Oft ist die Sechstklässlerin zu müde zum Lernen.

Hin und wieder besuchen Lehrer der Französischen Schule sie. "Mein größter Wunsch ist es, schnell gesund zu werden, um wieder in die Schule gehen zu können und meine Freundinnen regelmäßig zu sehen."

Eltern und Lehrer müssen zustimmen

Zurzeit hat die Heinrich-Hoffmann-Schule vier mobile Videokonferenzsysteme im Einsatz, eines davon zu Demonstrationszwecken. Teilnehmende Schulen müssen über einen DSL-Anschluss oder UMTS-Standard verfügen.

Eltern und Lehrer müssen dem Projekt zustimmen. Manche haben datenschutzrechtliche Bedenken, einige Lehrer wollen nicht, dass möglicherweise Fremde beim Unterricht zusehen.

Dabei profitierten alle von P.U.L.S., wie Dr. Frank Pastorek, Leiter der Heinrich-Hoffmann-Schule, betont. Die Patienten sowieso, aber auch ihre Mitschüler. Jene nämlich bauten Ängste und Vorurteile ab und gingen nachher unbefangener mit ihrem erkrankten Mitschüler um.

"Nebenbei werden sie in ihrer sozialen Kompetenz gefördert und lernen wichtige Verhaltensweisen, von denen sie ihr ganzes Leben etwas haben."

P.U.L.S

Der Verein "Hilfe für krebskranke Kinder Frankfurt" hat das Programm "PC-gestützten Unterricht für langzeiterkrankte Schüler" (P.U.L.S.) 2008 gestartet

Das mobile Konferenzsystem besteht aus zwei Einheiten: Im Klassenraum werden Monitor, Kamera, Lautsprecher und ein Computer aufgestellt. Dazu kommen zwei Raummikrofone und eins für den Lehrer Der Schüler zu Hause kann sich über einen Laptop mit der entsprechenden Software zum Unterricht dazu schalten. Optional sind Webcam und ein Headset für eine Konferenzschaltung.

Fünf Geräte-Koffer hat der Verein. Finanziert wird die Technik aus Spendengeldern. Jeder Koffer kostet 5000 Euro.

Mehr Informationen zum Projekt unter www.kinderkrebs-frankfurt.de/projekte/puls

Lesen Sie dazu auch:
Schule in Frankfurt: Vokabeln lernen am Krankenbett

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