Ärzte Zeitung, 03.02.2016

Sportbranche

Fitter, schneller, besser

Schnell die Sportschuhe an und ab auf die Laufstrecke? Das reicht vielen Sportlern nicht mehr. Sie wollen genau Bescheid wissen über ihre Fitness. Die Sportartikelhersteller profitieren.

Von Christine Schultze

Fitter, schneller, besser

Chance oder Risiko? Immer mehr Menschen setzen auf Selbstoptimierung - und Fitness-Uhren.

© Milles Studio / fotolia.com

MÜNCHEN. Heute schon das persönliche Trainingspensum geschafft? Stimmen Herzfrequenz, Kalorienverbrauch und Schrittzahl? Im Kampf gegen den inneren Schweinehund setzen viele Sportler mittlerweile auf Verstärkung durch Fitness-Armbänder und Computer-Uhren. Unmengen von Daten werden so täglich gemessen, gesammelt und verglichen.

Das heizt nicht nur den Trend zur Selbstoptimierung an, sondern auch die Geschäfte der Hersteller, die sich für die kommenden Jahre gute Chancen versprechen. Auf der weltgrößten Sportartikelmesse Ispo haben Sensoren und andere Geräte zur Erfassung und Verarbeitung von Fitnessdaten in diesem Jahr daher zu den Schwerpunkten gehört.

Branchenexperten sehen Wachstum

Auf gut fünf Milliarden US-Dollar dürfte der Markt dafür im Jahr 2019 gewachsen sein, erwarten Branchenexperten. Wichtige Anbieter von Fitness-Bändern sind die US-Unternehmen Fitbit und Jawbone, aber auch der chinesische Smartphone-Aufsteiger Xiaomi mischt mit seinen vergleichsweise günstigen Produkten kräftig mit.

Hinzu kommen Computer-Uhren wie die Apple Watch, die ebenfalls Fitnessdaten messen können, oder Software-Angebote wie das Trainingssystem Micoach und die Sport-App Runtastic, die zum Sportartikler Adidas gehören. Rund 80 Millionen Menschen in 20 Ländern haben sich inzwischen bei Runtastic registriert, sagt ein Firmensprecher. "Das ist sicher ein Trend, der wachsen wird."

Rückenwind bringt dabei nicht nur die Digitalisierung, die immer mehr Lebensbereiche erfasst - vom mobilen Arbeiten per Laptop und Smartphone über den Online-Einkauf bis zum vernetzten Zuhause. Daten werden so allgegenwärtig. Das nutzen immer mehr Menschen für die ausgiebige Selbstvermessung unter dem Stichwort "Quantified Self".

Neben der technischen Spielerei steht dahinter auch der Gesundheitsgedanke. Denn angesichts steigender Lebenserwartung wollen viele Menschen möglichst bis ins Alter fit und beweglich bleiben.

Fitness-Sportarten wie Radfahren, Laufen, Schwimmen und Wandern haben deshalb großen Zulauf. Sie sind in Deutschland sogar noch beliebter als König Fußball, sagt die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Sportartikel-Industrie, Nicole Espey. Gerade bei solchen oft individuell betriebenen Sportarten könnten sogenannte Wearables - also Technik, die man am Körper trägt - den Spaß, die Motivation und auch die persönliche Leistung voranbringen.

Sportmediziner und -psychologen sehen den Trend aber - ebenso wie Datenschützer - mit gemischten Gefühlen. So kann das Verletzungsrisiko steigen, wenn sich mehr Menschen von Apps zu sportlichen Leistungen anspornen lassen, anstatt fachkundige Trainer zu Rate zu ziehen.

Auf das richtige Maß achten

Andererseits wäre es schon wünschenswert, dass sich die Menschen mehr bewegen, um körperlich und auch kognitiv länger am Ball zu bleiben - und dafür könnten elektronische Geräte durchaus ein geeignetes Hilfsmittel sein, sagt der Sportpsychologe Thomas Ritthaler.

Versklaven und in ständigen Leistungsdruck treiben lassen sollte sich aber niemand. Wie bei vielen Dingen komme es eben auch hier auf die richtige Dosis und den mündigen Umgang mit der Technik an, betont Ritthaler. Letztlich gelte: "Man muss es auch schaffen, das Ding abzuschalten, ein gutes Essen mit Freunden zu genießen und auch mal faul zu sein." (dpa)

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Wenn aus Urin Bier gebraut wird

Ekelig aber genial? Belgische Forscher wollen Bier aus Urin brauen. Doch das ist kein Marketing-Gag: Mit ihrer Idee möchten sie Bauern in Afrika helfen. mehr »

"Depressionen erklären solche Taten nicht"

Der Amokläufer von München, der Attentäter von Ansbach - beide sollen wegen psychischer Probleme in Behandlung gewesen sein. Experten schließen eine Depression als Erklärung jedoch aus. Wir erkären, wieso. mehr »

Kasse muss für Exoskelett aufkommen

Ein schwerbehinderter Patient hat Anrecht auf ein Exoskelett, so ein Sozialgericht. mehr »