Ärzte Zeitung, 15.01.2004

Sofortige Therapie macht verletzte Sportler oft schnell wieder fit

Zervikale Bandscheibenvorfälle lassen sich meist sehr gut minimal-invasiv beheben

HANNOVER (grue). Jede Minute Zeitverzögerung bei der Akutversorgung von Sportverletzungen verlängert die Rehabilitationszeit um einen Tag. Also unverzüglich nach dem PECH-Schema vorgehen: Pause, Eis, Compression, Hochlagern!

Innerhalb der ersten 15 Minuten nach der Verletzung muß ein Sportarzt alles Nötige in die Wege geleitet haben, damit zum Beispiel ein Fußballer mit Muskelfaserriß schon nach zwei Wochen wieder fit ist. Alles wird schnell entschieden: Braucht der verletzte Spieler eine Pause? Wenn ja, dann aber sofort eine Kompressionsbinde aus Eiswasser anlegen und das Bein hochlagern, um Schwellung und Blutungsneigung zu reduzieren.

Danach greift alles ineinander, von der frühen Diagnostik und Schmerzmitteltherapie über eine regenerationsfördernde Behandlung mit Enzymen und Radikalenfängern bis hin zur ausgeklügelten Physiotherapie. "Das Gesamtkonzept und die Zusammenarbeit der Therapeuten entscheidet über den Erfolg", so der Sportmediziner Dr. Wego Kregehr aus Hannover.

Außer der Erstversorgung von Sportverletzungen stand beim 1. Niedersächsischen Sportforum die chirurgische Behandlung bei Schulter-Arm-Schmerzen im Vordergrund. Das Zentrum für Orthopädische Chirurgie und Sporttraumatologie aus Hannover, das die Tagung ausgerichtet hat, wählte zwei Schwerpunkte: Die Operation bei weichen intraforaminalen zervikalen Bandscheibenvorfällen und die Sehnen-Rekonstruktion bei Verletzungen der Rotatorenmanschette.

Zu zervikalen Bandscheibenvorfällen kommt es nach Angaben von Professor Wolfgang Lanksch aus Hannover gehäuft bei Ringern, Rodlern und Florett-Fechtern wegen extremer Flexions- und Extensionsbewegungen bei gleichzeitiger Stauchung der Wirbelsäule. Meist handelt es sich um einen lateralen, intraforaminalen Bandscheibenvorfall mit isoliertem Sequester, der operativ relativ einfach entfernt werden kann.

Wie der Chirurg berichtete, kann das vorgefallene weiche Gewebe über einen nur acht Millimeter großen Zugang zur Nervenwurzel minimal-invasiv herausgezogen werden. Die Patienten sind danach sofort schmerzfrei. Das Risiko für Bandscheiben-Vorfälle ließe sich fortan durch sinnvolles Training und bewußtes Verhalten bestenfalls mindern, sagte Lanksch. Aufgrund des spezifischen Bewegungsmusters bei bestimmten Sportarten lasse sich das Risiko aber nicht ausschalten.

Etwa jeder vierte "Überkopf-Leistungssportler", dazu gehören etwa Handballer und Tennisspieler, hat Schulterbeschwerden und braucht deshalb eine Therapie, so Professor Ulrich Bosch vom Zentrum für Sportchirurgie in Hannover. Typisch sind Verletzungen der Rotatorenmanschette, einer am Schultergelenk fixierten Muskelgruppe. So führen Engpaßsyndrome und Instabilität zu schmerzenden Sehnenrupturen.

Bei kleinen Längsrissen gelingt es durch ausgefeilte Physiotherapie, den Oberarmkopf im Gelenk zu zentrieren. Bei größeren schmerzhaften Rissen steht ein chirurgischer oder arthroskopischer Eingriff an, bei denen die lädierte Rotatorenmanschette an der Knorpel-Knochen-Grenze des Schultergelenkes angeheftet wird. Für die offene Chirurgie spricht die niedrige Rate an Reluxationen, so Bosch. Das arthroskopische Vorgehen schont aber stärker das umgebende Gewebe, was für die schnelle postoperative Erholung eines Spitzensportlers ebenfalls wichtig ist.

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