Ärzte Zeitung, 20.01.2004

Das Anti-Schmerz-Übungsprogramm des Georg Hackl

Der erfolgreichste Rennrodler aller Zeiten leidet an Arthrose / Bei hartem Training COX-2-Hemmer zur Vorbeugung

Er ist der erfolgreichste Rennrodler aller Zeiten - trotz Arthrose: Georg Hackl (37), genannt Hacklschorsch, aus Bischofswiesen. Drei olympische Goldmedaillen, acht Weltmeistertitel, 32 Weltcup-Siege. Und nach vielen Enttäuschungen hat er am Samstag beim Weltcup in Winterberg gewonnen.

Die quälende Volkskrankheit Arthrose sitzt bei Hackl im Rücken, im Lendenbereich, in den Schulter-, Sprung- und Zehengelenken. Es gibt Tage, die der Rodel-Star nur mit einem Arzneimittel übersteht - aber nach wie vor in der Weltspitze mitrodelt. Hackl: "Unser Mannschaftsarzt hat mir COX-2-Hemmer mit dem Wirkstoff Rofecoxib empfohlen. Und das hilft."

Vor ganz besonders harten Trainingsphasen nimmt der Topsportler das Medikament sogar vorbeugend. Er sagt: "Dann kann ich mich auch wirklich darauf verlassen, daß die Arthrose-Schmerzen ausbleiben. Man muß verstehen: Um Höchstleistungen zu vollbringen, muß ich mich intensiv belasten. Da kann ich nicht schonend trainieren." Sein nächstes großes sportliches Ziel: die Olympischen Spiele 2006 in Turin.

Bei seinen Erfolgen und im Alltag hilft ihm sein ganz persönliches Anti-Schmerz-Programm. Ein Programm für alle, die wie er an Arthrose leiden. Übungen zum Mitmachen, die Ärzte an ihre Patienten weitergeben können. Der Hacklschorsch erklärt.

Übung Nr. 1: "Wir beginnen mit einfachen, sanften Bewegungen. Denn die Gelenke sollen sich erst einmal einlaufen. Um den Rumpf zu trainieren und die Stützfunktion der Muskulatur für die untere Wirbelsäule zu verbessern, legt man sich auf die Seite, stützt sich ab und hebt zehn bis 20 Mal das Bein. Danach dreht man sich um und wiederholt die Übung mit der anderen Körperseite. Je besser die einzelnen Wirbelkörper stabilisiert werden, umso weniger Probleme bereitet die Arthrose."

Übung Nr. 2: "Bei der zweiten Übung werden viele vielleicht etwas Mühe haben, das Gleichgewicht zu halten und ein bißchen wackeln. Aber das ist durchaus gewollt. Man kniet am Boden und stützt sich mit den Händen ab. Dann hebt man fünf bis zehn Mal zuerst das rechte Bein und den linken Arm, anschließend genauso oft das linke Bein und den rechten Arm."

Übung Nr. 3: "Für diese wirkungsvolle Übung zum Training von Hüfte und Oberkörper benötigt man lediglich ein Handtuch und eine Matte. Man macht sich eine Rolle und legt sich drauf. Dann drückt man mit dem Rücken kräftig dagegen, richtet sich auf. Man wiederholt diese Übung je nach Fitness fünf bis zehn Mal."

Übung Nr. 4: "Beim Aufrichten aus der Rückenlage kann man zugleich die Oberschenkelmuskulatur kräftigen, wenn man die Fersen gegen den Po drücken. Auch diese Übung wird je nach Fitness fünf bis zehn Mal wiederholt."

Übung Nr. 5: "Jetzt beginnt man mit Dehnungsübungen, die nicht so anstrengend sind. Man legt sich auf den Rücken und stellt den linken Fuß so, daß sich die Ferse möglichst nahe am Po befindet. Dann legz man den Unterschenkel des rechten Beines über den linken Oberschenkel. Man zieht den rechten Oberschenkel fünf bis zehn Mal zu sich. Dann wechselt man auf die andere Seite. Mit dieser Übung wird die Oberschenkel-Rückseite gestärkt."

Übung Nr. 6: "Gerade für Athrose-Patienten ist die volle Streckfähigkeit der Beine wichtig. Man legt sich auf den Rücken. Dann drückt man das linke Bein kräftig gegen den Boden und streckt das rechte senkrecht nach oben. Jetzt umfaßt man dieses Bein unterhalb der Kniekehle und zieht es an sich heran, bis man einen leichten Zug in der Oberschenkel-Rückseite spürt. Diese Position sollte man 30 bis 60 Sekunden halten. Dann wird die Übung mit dem anderen und wieder mit dem ersten Bein wiederholt. Je fünf Mal." (obs)

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