Ärzte Zeitung, 16.06.2004

Bei Muskelkater tut Sauna gut und Massage eher nicht

Spezialisten-Tips helfen, den Kater zu vermeiden oder schneller los zu werden / Ungewohnte Bewegungen verursachen kleine Fibrillen-Risse

BERLIN (ddp). Ein flottes Fußballspiel oder eine Runde über den Trimm-dich-Pfad kosten Untrainierte viel Kraft. Am nächsten Tag folgt oft auch noch ein Muskelkater. Was gegen diese unangenehme Begleiterscheinung getan werden kann, dazu gibt es Tips von Spezialisten.

Eine junge Frau trainiert. Wenn sie die Übung zum ersten Mal und zu oft macht, hat sie am nächsten Tag Muskelkater. Foto: ddp

Jede Bewegung wird zur Qual. Die Muskeln schwellen an, sind steif, kraftlos und empfindlich - Muskelkater. Wer die Zähne zusammenbeißt und gleich intensiv weitertrainiert, riskiert eine Verletzung, warnt Professor Wildor Hollmann von der Sporthochschule Köln.

Stattdessen sei es sinnvoll, an den Folgetagen Belastungen zu meiden. "Ein leichtes Bewegungstraining schadet aber nicht", rät der Sportmediziner Professor Dieter Böning aus Berlin. Im Idealfall kann so gar ein Muskelkater verhindert werden. "Die Bewegung fördert die Durchblutung, und das erleichtert die Reparaturarbeiten des Körpers", so Hollmann.

Als angenehm wird Wärme empfunden - Sauna mit Muskelkater ist erlaubt. Bei Massagen ist aber Vorsicht geboten. "Einen verletzten Muskel hart zu kneten, kann weiteren Schaden verursachen", warnt Böning. Bei einem Selbsttest stellte er zudem fest: Eine Massage half nicht bei Muskelkater. Das unmassierte Bein schmerzte ebenso wie das massierte.

Schnell wieder weg ist der Kater auch nicht. "Es dauert mindestens vier bis sechs Tage", so Hollmann. Anders als einfache Ermüdung, die sofort kommt, tritt Muskelkater erst 24 bis 36 Stunden nach Belastungsende auf. Er wird durch kleine Risse in den Muskelfaser-Fibrillen ausgelöst.

Die Verletzungen entstehen bei ungewohnten Bewegungen, bei denen die von außen auf den Körper wirkende Kraft größer ist, als die aufgewandte. Dazu zählen vor allem abfangende, bremsende Bewegungen wie sie etwa bei Ballsportarten nötig sind. Die Schmerzen kommen dadurch, daß Wasser in die Muskelzellen zieht und diese anschwellen. Wer nach einer Pause wieder mit Sport anfängt, sollte die Belastung von Training zu Training langsam steigern, um Muskelkater zu vermeiden. Wird eine belastende Bewegung nicht mehr als zehnmal gemacht, habe man auch nichts zu befürchten, so Böhning.

Das Wort Muskelkater leitet sich übrigens vom Muskelkatarrh ab.

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