Ärzte Zeitung, 03.08.2004

Ironman mit Rettungskajaks am Ostseestrand

Rettungssportler trainieren mit Flossen und Rettungsbrettern / Hohe Anforderung an Ausdauer und Schnelligkeit

BAD NENNDORF (ddp). Seit Anfang der 90er Jahre hat sich Rettungsschwimmen in Deutschland zu einem regelrechten Trendsport entwickelt. "Daran ist die US-Fernsehserie ‚Baywatch‘ sicher nicht ganz unschuldig", sagt Henning Bock, Projektmanager der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Bad Nenndorf.

Voll im Trend: Zwei Rettungsschwimmerinnen bei der Arbeit am Ostseestrand von Scharbeutz. Foto: dpa

Rund 60 000 Sportler trainieren derzeit bundesweit, wie man Menschen vor dem Ertrinken rettet. "Viele der aktiven Sportler wachen in ihrer Freizeit ehrenamtlich über das Wohl der Badegäste", sagt Bock. Im vergangenen Jahr haben sie bundesweit 549 Menschen an Seen, am Meer und in Freibädern vor dem Ertrinken gerettet. Bei 145 Einsätzen riskierten die DLRG-Rettungsschwimmer sogar ihr eigenes Leben. Insgesamt wurden 2003 über 47 500 Badegäste von Rettungsschwimmern mit Erste-Hilfe-Maßnahmen versorgt.

Trainiert wird in Hallen- und Freibädern und in den vergangenen Jahren auch am Meer. Sportgeräte sind Flossen, Rettungsbretter und Kajaks sowie mit Wasser gefüllte Puppen. Ein wichtiges Trainingsutensil ist auch der Gurtretter. Dieser Schaumstoffkeil wird Ertrinkenden umgelegt, um ihnen Auftrieb zu verleihen. Über eine Leine ziehen Rettungsschwimmer die Menschen dann ans Ufer.

Im Training und im Wettkampf wird dieser Ernstfall an Kunststoffpuppen geübt. "Beim Rettungssport gibt es zwei Traditionen", sagt der Projektmanager. In Deutschland dominierte lange Jahre der Hallensport. Hier messen sich die Aktiven in Disziplinen wie Retten mit Flossen, 50 Meter Retten einer Puppe oder 100 Meter Retten mit Boot. Rettungssport im Freien stammt aus Australien, Südafrika und den USA. "In diesen Ländern sind die Gezeiten und die Brandung ganz anders als bei uns", so Bock. Daher kommen dort auch Rettungskajaks zum Einsatz. Seit Anfang der 90er Jahre werden in Deutschland verstärkt beide Traditionen kombiniert.

Rettungssport stellt viele Anforderungen an die Aktiven. Auf ihrem Trainingsplan im Hallenbad stehen vor allem Schwimmen und Tauchen. Dies fördert Kraft und Ausdauer. Im Meer paddeln die Rettungsschwimmer auf ihren Kajaks in der Brandung um die Wette. Und am Strand müssen sich die Sportler beim Sprint über 90 Meter beweisen.

Die Königsdisziplinen beim Outdoor-Rettungsschwimmen sind die Wettkämpfe Ironman und Ironwoman. Hier müssen die Sportler 300 Meter Schwimmen, 400 Meter mit ihrem Rettungsbrett durchs Wasser pflügen und anschließend 500 Meter mit dem Rettungskajak zurücklegen. Ihre Wettkämpfe tragen die Sportler regelmäßig in Turnieren aus.

An Ausrüstung braucht man außer einer Badehose Flossen und am besten auch einen Wärmeanzug fürs kalte Wasser. Viele Sportler kaufen sich, so Bock, auch ein Rettungsbrett. Die restlichen Materialien würden meist von den DLRG-Ortsgruppen gestellt.

Einsteigen ins Rettungsschwimmen kann man ab einem Alter von zwölf Jahren mit dem Rettungsschwimmabzeichen in Bronze. Die Ausbildung werde von den meisten der bundesweit 2200 DLRG-Ortsgruppen angeboten, sagt Bock. "Man muß also nicht am Meer wohnen, um Rettungsschwimmen als Sport zu betreiben."

STICHWORT

Disziplinen beim Rettungssport

Schätzungsweise 60 000 Menschen betreiben Rettungsschwimmen als Sport. Unter anderem gibt es folgende Disziplinen:

  • 100 Meter Kombinierte Rettungsübung: 50 Meter Freistil, danach tauchen nach einer Puppe. Sie muß zum Ziel abgeschleppt werden.
  • 100 Meter Retten mit Gurtretter und Flossen: Der Wettkämpfer schwimmt 50 Meter mit Flossen und Gurtretter. An der 50 Meter Marke legt der Sportler einer Puppe den Gurtretter um und schleppt sie ins Ziel.
  • 100 Meter Retten mit Boot: Der Rettungsschwimmer pullt zu einer Boje und rudert dann zu einer im Wasser liegenden Puppe. Diese muß er bis zum Bootsrand hochholen. Anschließend stakt er mit nur einem Ruder um eine Boje herum zum Start zurück. (ddp)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gluten kann auch Reizdarm verursachen

Wenn Reizdarmpatienten, die nicht an Zöliakie leiden, über glutenabhängige Beschwerden klagen, kann das ein Noceboeffekt sein. Es kann sich aber um etwas anderes handeln. mehr »

Entlassmanagement krankt an schlechter Kommunikation

Kaum in Umlauf, gerät der Medikationsplan in die Kritik. Ärzte fordern, Webfehler im System zu beheben. mehr »

So hoch ist der Diabetiker-Anteil in den 16 Bundesländern

In Deutschland leben mehr Menschen mit Diabetes als bisher geschätzt: Inzwischen leidet rund jeder zehnte GKV-versicherte Bundesbürger an Diabetes. mehr »