Ärzte Zeitung, 19.11.2004

Marathonlaufen schadet weder dem Rücken noch den Gelenken

Studie bei 4800 Läufern / Rückenschmerzen sind seltener als bei als Nicht-Läufern

WÜRZBURG (ts). Sieht man in die verschwitzten leidenden Gesichter von Freizeit-Marathonläufern, könnten einem erhebliche Zweifel an dem Credo der Fitneß-Fanatiker kommen, wonach Sport Spaß mache und sogar gesund sei. Vor allem für ältere Herrschaften scheint doch eher zuzutreffen, daß ein Marathonlauf durch eine Großstadt voller Abgase der Gesundheit mehr schadet als bekommt. Aber wie so oft trügt wohl der Schein.

Zwar muß mit Verletzungen, etwa Ermüdungsbrüchen gerechnet werden. Insgesamt wirke Marathonlaufen aber protektiv, meinen Würzburger Kollegen. Foto: dpa

Gerade über 40jährige haben nach den Daten einer neuen Studie seltener laufbedingte Verletzungen als jüngere Marathonläufer. Und: Die Inzidenz von Arthrose und Rückenschmerzen ist in dieser Untersuchung bei den Läufern sogar niedriger gewesen als in der Allgemeinbevölkerung. Der Würzburger Orthopäde Privatdozent Markus Walther, der zusammen mit seinen Kollegen die Studie gemacht hat, spricht sogar von einem "protektiven Effekt des Laufsports".

Walther und seine Mitarbeiter haben für ihre Studie an 4800 Teilnehmer des Würzburg Marathons 2003 einen vierseitigen Fragebogen ausgeteilt, um das Verletzungsmuster in Abhängigkeit vom Alter zu ermitteln (Sportorthopädie Sporttraumatologie 20, 2004, 93). Verglichen wurde die Gruppe der Läufer unter 40 Jahren mit der Gruppe der über 40jährigen. 1203 Fragebögen konnten ausgewertet werden (530 Läufer unter 40, 673 Läufer über 40). 77 Prozent der Läufer waren Männer.

Die wichtigsten Ergebnisse:

  • Die jüngeren Läufer verletzen sich signifikant häufiger als die älteren.
  • Wie erwartet war die Arthroserate, vor allem die Coxarthroserate, bei den über 40jährigen höher als bei den unter 40jährigen. Bei der Häufigkeit der Knie- und Sprunggelenksarthrose ergaben sich keine Unterschiede. Und: Die Arthroserate war nicht größer als in der Allgemeinbevölkerung.
  • Rückenschmerzen waren signifikant seltener als in der Allgemeinbevölkerung.
  • Unter 40jährige Läufer hatten signifikant häufiger sogenannte Shin splints (Schienbeinkanten-Syndrom), bei über 40jährigen Sportlern gab es dagegen einen Trend zu mehr Ermüdungsbrüchen (Mittelfußknochen). Bei sonstigen laufassoziierten Verletzungen wie Muskelfaserrissen und Reizungen der Achillessehne ergab die Umfrage keine signifikanten Unterschiede.

Übrigens: Die über 40jährigen Läufer betrieben Laufen häufiger als die jüngeren Sportler als Hauptsportart. Außerdem trainierten sie eifriger (mehr Trainingskilometer).

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