Ärzte Zeitung, 23.05.2005

Sport mobilisiert Knochenmark-Stammzellen

30 Minuten Joggen täglich erhöht Zahl endothelialer Vorläuferzellen im Blut / Fahrrad-Training schützt Herz bei KHK

MANNHEIM (nsi). Sport mobilisiert offenbar endotheliale Progenitorzellen aus dem Knochenmark. Diese Erkenntnis könnte die Schutzwirkung von Bewegung vor kardiovaskulären Ereignissen erklären - zusätzlich zum Trainingseffekt für den Herzmuskel und einer besseren Sauerstoffversorgung des Körpers durch Aktivität. Sport könnte möglicherweise aber auch helfen, die Folgen zerebraler Ischämie zu mindern.

Täglich 20 Minuten Training auf dem Fahrrad-Ergometer hilft beim Abnehmen und kann bei stabiler KHK vor Ereignissen schützen. Foto: dpa

Erst kürzlich haben nach Angaben von Privatdozent Ulrich Laufs vom Uniklinikum des Saarlandes in Homburg an der Saar Leipziger Forscher in einer prospektiven Studie mit 101 Teilnehmern belegt, daß bei stabiler KHK und geringgradigen Koronarstenosen ein Training auf dem Fahrrad-Ergometer von täglich 20 Minuten das ereignisfreie Zwölf-Monats-Überleben und die körperliche Belastbarkeit mehr verbessern kann als eine Angioplastie - und das zu niedrigeren Kosten.

PD Ulrich Laufs: Es gibt neue Erkenntnisse zu Sport, Herz und Hirn. Foto: privat

Prospektive Studien mit dem Endpunkt Sterblichkeit stünden aber noch aus. Das berichtete Laufs beim gemeinsamen Symposium der AG "Herz-Hirn" der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie beim Kardiologen-Kongreß in Mannheim.

In einer weiteren Studie mit stabilen KHK-Patienten und Gesunden wurde nachgewiesen, daß eine halbe Stunde Joggen am Tag die Zahl endothelialer Vorläuferzellen im Blut erhöht. Dieser Effekt - zumindest den Ergebnissen von Tierversuchen zufolge - könnte auch vor den Folgen eines Schlaganfalls schützen: Mäuse, bei denen eine Ischämie durch vorübergehenden Verschluß der Arteria cerebri media erzeugt worden war, hatten kleinere geschädigte Hirn-Areale, wenn sie sich in einem Laufrad im Käfig viel bewegen konnten, als wenn sie keine Trainingsmöglichkeiten hatten. Zugleich fanden sich mehr Stammzellen im Blut.

"Wir haben also neue Hinweise darauf, wie Sport kardiovaskuläre Risiken und die Folgeschäden eines Hirninfarkts reduzieren kann", sagte Laufs. "Was wir noch nicht haben, sind aussagekräftige Marker dafür, wieviel Sport beim Einzelnen notwendig ist, um solche protektiven Effekte zu erzielen."

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