Ärzte Zeitung, 15.12.2005

Warum Hunde in den Kurven schneller laufen als Menschen

Britische Studie / Läufer auf Innenbahn sind im Nachteil

Aufgrund ihres Körperbaus bewältigen laufende Hunde Kurven mit voller Geschwindigkeit und ohne vorher langsamer zu werden. Menschliche Sprinter dagegen müssen vor jeder Biegung abbremsen, da sie sonst aus der Bahn geworfen werden.

Ihre Beinmuskeln müssen nämlich nicht nur die Kraft zum Laufen aufbringen, sondern zugleich auch das in Kurven größere Körpergewicht tragen. Über die Studienergebnisse britischer Wissenschaftler berichtet das Forschungskollegium für Biotechnologie und Biologie in einer Mitteilung.

    Hundeknochen wirken wie passive Federn.
   

Wenn Sprinter in einer Arena über ihre Bahn fliegen, geht es nicht ganz fair zu. Das konnten Alan Wilson und Jim Usherwood vom Royal Veterinary College beweisen, als sie die Ergebnisse der 200-Meter-Wettbewerbe bei der Hallen-Weltmeisterschaft und den Olympischen Spielen von 2004 analysierten: Für Sprinter auf den inneren Bahnen ist der Radius der zu bewältigenden Kurven kleiner als für Sportler, die weiter außen laufen.

Je enger aber eine Kurve ist, desto größer ist die dabei entstehende Zentripetalkraft, die den Läufer zur Mitte der Kurve hinzieht. Vereint erhöhen Zentripetal- und Schwerkraft das empfundene Körpergewicht des Athleten, und um dieses bewältigen zu können, muß der Läufer den Bodenkontakt seiner Füße erhöhen: Er muß in Kurven öfter auftreten als auf einer geraden Laufstrecke, wodurch sich seine Geschwindigkeit verringert.

Hunde kennen dieses Problem nicht. Den Grund dafür entdeckten die Wissenschaftler, als sie die Lauftechnik von 40 englischen Windhunden untersuchten. Im Unterschied zu Menschen verändern die Vierbeiner in Kurven nicht die Anzahl ihrer Schritte, da sie über eine ganz andere Form des Laufantriebs verfügen, so die Forscher.

Im Körper von Hunden sind die Aufgaben verteilt: Die Hinterbeine liefern allein die für das Sprinten notwendige Kraft. In Kurven wird die Laufbewegung durch Verdrehen der Hüfte und Streckung des Rückens weiter unverändert angetrieben. Mit dem Körpergewicht und seinem Zuwachs in Kurven müssen dagegen die Vorderbeine fertig werden.

Ihre Knochen, Muskeln und Sehnen ähneln passiven Federn, die einem beträchtlichen Gewicht standhalten können. Dank dieser Arbeitsteilung sind die Vierbeiner nicht gezwungen, vor Kurven einen Gang runter zu schalten. (ddp.vwd)

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