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Skilanglauf tut gut bei KHK, aber man sollte nicht zu hoch hinaus

Auch Menschen mit Herzkreislauf- und Lungenerkrankungen dürfen unter bestimmten Bedingungen Wintersport in den Bergen machen. Was dabei zu beachten ist, wurde auf dem Wintersportmedizin-Kongreß in Garmisch-Partenkirchen erläutert.

Dr. Thomas MeißnerVon Dr. Thomas Meißner Veröffentlicht:

"Natürlich wollen wir, daß auch ein Herzpatient körperlich aktiv ist", so Professor Martin Halle vom Klinikum Rechts der Isar in München. Schließlich lebten Menschen nach einem Herzinfarkt länger, wenn sie körperlich aktiv sind, hätten Untersuchungen ergeben.

Bewegung gilt heute in der Inneren Medizin als wichtiges Therapieprinzip. Aber dürfen Herzkranke deshalb auch wieder auf die Alm in 2000 m Höhe reisen und im Parallelschwung zu Tal fahren? In Höhenlagen treten bei jedem Menschen, der aus dem Flachland anreist, physiologische Veränderungen auf. Es kommt zur Gewebehypoxie, Tachypnoe und Sympathikusaktivierung.

Die Viskosität des Blutes steigt, und im Winter kommt es zu einer kältebedingten Vasokonstriktion. Für Kranke ist das ungünstig, bedeutet aber kein generelles Verbot. Gesunde können sich an solche Veränderungen relativ rasch anpassen, der Organismus Herzkranker stößt aber schnell an seine Grenzen.

So fällt der Anstieg des Katecholaminspiegels bei KHK-Patienten viel stärker aus, berichtete Halle. Kranke Herzen hätten bei raschem Aufstieg in Höhenlagen bereits in 2 500 m Höhe keine koronare Blutflußreserve mehr, um körperliche Belastungen auszugleichen.

Auch die Anpassung an den in Höhenlagen erhöhten myokardialen Sauerstoffverbrauch dauere bei KHK-Patienten länger als bei Gesunden. So wies das in der Höhe gemachte Belastungs-EKG eines KHK-Patienten vier Jahre nach Bypaß-Op Ischämie-Zeichen auf. Daher sei es wichtig, KHK-Patienten, die wieder skifahren wollen, an einige Voraussetzungen zu erinnern.

  • Ein Belastungs-EKG müssen die Patienten mit einer Leistung von mindestens 1,5 W/kg Körpergewicht ohne Arrhythmien oder Ischämiezeichen absolvieren können.
  • Es dürfen keine Koronarstenosen bestehen, bei denen der Gefäßdurchmesser um mehr als 50 Prozent vermindert ist.
  • Es darf seit mindestens drei Monaten kein Zeichen einer Herzinsuffizienz geben.
  • Im Echokardiogramm muß eine gute Kontraktilität des Herzens sowie eine Auswurffraktion von über 40 Prozent festgestellt werden.
  • Das Skigebiet sollte unterhalb von 2500 m liegen.
  • Die Patienten sollten sich in niedrigen Lagen über mehrere Monate gut auf die Belastung vorbereiten.
  • Die Akklimatisationszeit sollte drei Tage betragen. In dieser Zeit wird die Belastung allmählich gesteigert, etwa mit Spaziergängen, bevor mit dem Skifahren begonnen wird.
  • Die Patienten können sich bis maximal 75 Prozent der Ischämie-freien Belastbarkeit verausgaben.
  • Die Außentemperaturen sollten wegen der kältebedingten Vasokonstriktion über minus 5°C liegen.
  • Es ist auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, damit die Blutviskosität nicht zu hoch ist.
  • Die Herzfrequenz sollte während der Belastung mit einer Pulsuhr kontrolliert werden.

Ist als Sportart eher Ski alpin oder Skilanglauf ratsam? Vergleiche über das Ausmaß der Herzkreislauf-Belastung gibt es dazu nicht. Grundvoraussetzung ist, daß sich die Patienten technisch sicher auf Skiern bewegen.

Bei Lungenkranken, die Wintersport treiben wollen, müßten drei Faktoren bedacht werden, sagte Privatdozent Stephan Sorichter aus Freiburg: die kalte, trockene Luft, die Höhenlage mit resultierender Hypoxie und vermindertem Luftdruck sowie die relative hohe Erregerzahl. Diese resultiere aus den häufigen Aufenthalten in geschlossenen Räumen mit vielen Menschen, etwa Berghütten, was die Infektionsgefahr erhöhe.

Infektionen sind wegen der Exazerbationen bei COPD ein Problem. COPD-Patienten könnten wegen ihrer überblähten Lunge zudem ihr Atemzugvolumen unter Belastung kaum erhöhen. Eine Leistungssteigerung unter hypoxischen Bedingungen sei nur mit maximaler Bronchodilatation zu erreichen. Wintersport käme deshalb kaum in Frage.

Asthma-Patienten können den bronchokonstriktorisch wirkenden Kältereiz meist gut mit topischen Medikamenten kompensieren. Das gilt auch bei Menschen mit Heuschnupfen, deren Atemwege oft ebenfalls sensibel auf kalte Höhenluft reagieren. Dies gelingt vor allem, indem die entzündliche Komponente der Bronchokonstriktion gehemmt wird, also mit inhalativen Steroiden oder Antileukotrien, aber auch mit Bronchodilatatoren.

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