Ärzte Zeitung, 23.05.2006

Im Schulsport sind besonders Ballspiele unfallträchtig

Fast 2300 Schulsport-Unfälle in Niedersachsen wurden analysiert / Die meisten Unfälle passieren beim Fußball und beim Basketball

MÜNCHEN (gvg). Ballsportarten sind die Verletzungsursache Nummer eins im Schulsport. Vor allem Fußball und Basketball sind problematisch.

Kinder spielen Fußball. Unfälle passieren meist durch Fouls oder beim Schießen des Balles. Foto:ddp

Das sind die Ergebnisse einer Untersuchung, die Dr. Karsten Knobloch von der Medizinischen Hochschule Hannover auf dem Jahreskongreß der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin in München vorgestellt hat.

Für die Studie analysierte er 2234 Sportunfälle an knapp 4000 niedersächsischen Schulen, die während eines Schuljahrs an den Gemeindeunfallverband, den dortigen Träger des D-Arzt-Systems, gemeldet wurden: Fast 60 Prozent der Unfälle waren Folge von Ballsportarten. Davon entfiel ein Viertel auf Fußball, ein Drittel auf Basketball und knapp ein Fünftel auf Volleyball.

    Kippbrett soll Koordination bessern.
   

Daß Jungen beim Fußball besonders energisch zu Werke gehen, konnte die niedersächsische Untersuchung erneut bestätigen: Beim männlichen Geschlecht traten 38 Prozent aller Unfälle durch Ballsportarten bei der Sportart Nummer eins auf, bei Mädchen waren es nur zehn Prozent.

"22 Prozent der Fußballunfälle waren Folge eines Foulspiels", berichtete Knobloch. Je etwa ein Fünftel entfielen auf Verletzungen während des Schusses und auf Verletzungen aus der Bewegung heraus.

Knobloch sieht vor allem zwei Präventivansätze: Zum einen müsse faires Spielen stärker bei den Jugendlichen verankert werden. Zum anderen hält er Aufmerksamkeits- und Konzentrationsdefizite als entscheidend, etwa beim Umknicken aus dem Laufen heraus.

Um die Reaktionsfähigkeit bei dieser Sorte von Unfällen zu verbessern, wollen die Wissenschaftler jetzt ein fünf- bis zehnminütiges Training mit Kippbrett im Schulsport etablieren. Zu diesem Schaukelbrett für Gleichgewichtsübungen haben die Sportmediziner bereits eine Studie gestartet. "Anders als bei Erwachsenen wissen wir bisher aber nicht, ob Kinder und Jugendliche davon profitieren", sagte Knobloch.

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