Ärzte Zeitung, 04.07.2006

KOMMENTARKOMMENTAR

Doping ist immer eine Schande!

Von Siegmund Kalinski

Wir haben ein Idol weniger. Ausgerechnet am Tag, an dem die Fußballnationalmannschaft ihren größten bisherigen Erfolg bei der WM 2006 feierte, wurde Jan Ullrich vom Team von T-Mobile suspendiert. Die Mannschaft muß bei der diesjährigen Tour de France ohne ihren bisherigen Hoffnungsträger starten.

Jan Ullrich wurde, den Berichten nach, gedopt. Die spanische Polizei legte offenbar solch gravierende Beweise vor, daß die Leitung der T-Mobile-Equipe sich gezwungen sah, ihren Matador zu suspendieren, was aller Wahrscheinlichkeit nach zugleich das Ende seiner Karriere bedeuten wird.

Es ist nicht das erste Mal, daß Jan Ullrich unter dem Verdacht steht, seine Kondition und Leistung mit unerlaubten Mitteln zu steigern. In einer Rehabilitationsklinik, in der er sich 2002 nach einem Unfall befand, wurde er auf Amphetamin positiv getestet, er bekam eine Sperre, woraufhin das Team Telekom den Vertrag mit ihm löste.

Jan Ullrich gelobte Besserung, und man hat von ihm dann auch nichts Negatives mehr gehört. Zuletzt war er Sieger bei der Tour de Suisse und machte sich jetzt große Hoffnungen auf einen Sieg bei der Tour de France, und das umso mehr, als sein stärkster Rivale Lance Armstrong aus den USA nicht mehr starten wollte. In Blutproben, die man ihm vor fünf Jahren entnommen und aufbewahrt hatte, hatte man Spuren von Dopingmitteln gefunden, allerdings waren damals die Testmethoden noch nicht so fein entwickelt wie heute.

Ohne Mithilfe von Medizinern ist Doping nicht möglich

Ohne Mithilfe der Mediziner ist Doping nicht möglich. Aus DDR-Zeiten weiß man, was für verheerende Folgen Dopingmittel für die Gesundheit von Sportlern haben. Jeder Mediziner, der sich dazu herabläßt, verstößt gegen die ärztliche Ethik, gegen den hippokratischen Eid.

Die Mediziner sollten nicht - nein, sie dürfen nicht - ein "höher, schneller, weiter um jeder Preis" verfolgen, sondern die Gesundheit des Menschen als oberstes Gebot sehen. Inzwischen ist man in Bezug auf Doping sehr sensibel geworden, und Mißbrauch wird entsprechend streng geahndet.

Jedes Volk braucht seine Helden, braucht seine Sieger und Vorbilder. Vorbilder, die keine verbotenen Hilfsmittel benutzen. Schade, daß gerade jetzt, wo die ganze Welt uns für unsere Gastlichkeit, Freundlichkeit und vor allem auch für die Erfolge der Fußballer bewundert, ein Schatten auf den Sport geworfen wird. Doping ist immer eine Schande!

Dr. med. habil. Siegmund Kalinski war als Allgemeinmediziner in Frankfurt am Main niedergelassen und ist langjähriger Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung".

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