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Nutzen von Training in Höhe oder Spezialkammer ist umstritten

GARMISCH (grue). Viele Sportler absolvieren ein Höhentraining, um ihre Ausdauerleistungsfähigkeit zu steigern. Das funktioniert aber wohl nur, wenn der anstehende Wettbewerb ebenfalls in einer Höhenlage stattfindet.

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Ob sich durch Höhentraining auch die sportliche Leistung im Flachland verbessert, ist zumindest stark umstritten. In der Höhe passt sich der Körper an die dortigen hypoxischen Bedingungen an. Die Atmung wird beschleunigt, die Sauerstoffaufnahme ins Gewebe gesteigert und die Erythropoese angekurbelt. Diese Akklimatisierung garantiert eine höhere Leistungsfähigkeit, solange sich der Sportler in den Bergen aufhält.

Allerdings ist dafür Geduld erforderlich: Vermutlich steigt erst nach einem Aufenthalt von mindestens drei Wochen in 2500 Meter Höhe die Erythrozytenmasse massiv an. Vorher sind steigende Hämoglobin- und Hämatokritwerte nur Folge eines reduzierten Blutvolumens. Die Effekte sind außerdem individuell sehr unterschiedlich, wie Privatdozent Kai Röcker von der sportmedizinischen Abteilung der Universität Freiburg sagte.

Findet der Wettbewerb im Flachland statt, kann sich das ehrgeizige Höhentraining sogar nachteilig auswirken: Unter anderem ist das Plasmavolumen verringert. Außerdem: Die gesteigerte Ventilation wirkt sich einerseits positiv auf die Atemmuskulatur aus. Andererseits wird für die vermehrte Atemarbeit mehr Energie gebraucht. Nach zwei Tagen im Tiefland ist die positive Wirkung auf den Sauerstofftransport oft schon wieder verschwunden.

Allerdings: "Jeder macht mit dem Höhentraining andere Erfahrungen", so Röcker beim Kongress für Wintersportmedizin in Garmisch. Deshalb gebe es auch keine generellen Empfehlungen, ob, wie lange und in welchem zeitlichen Abstand zum Wettbewerb trainiert werden sollte. Um die Schwierigkeiten bei der Trainingssteuerung zu vermeiden, sorgen manche Sportler in ihrer Freizeit für eine gewisse Hypoxie und trainieren im Tiefland mit hoher Intensität.

Logistisch lässt sich das meist nur mit einer "Höhenkette" machen: Dafür reisen die Sportler fünfmal im Jahr für längere Zeit in die Berge oder schaffen sich alternativ ein Höhenzelt an. "Wer darin jede Nacht schläft, steigert deutlich seine Erythrozytenmasse", so Röcker. Das simulierte Höhentraining kann allerdings beim Dopingtest zur Falle werden: Der Sportler riskiert eine Schutzsperre, wenn sein Hämoglobinwert zu hoch ist.



STICHWORT

Höhenzelt

Im Höhenzelt kann ein Luftdruck hergestellt werden, wie er in großer Höhe herrscht; zum Beispiel ein Druck wie in 4000 Meter Höhe. Dann beträgt der Sauerstoff-Gehalt der Luft nur noch etwa 12 Prozent (O2-Gehalt auf Meereshöhe: 21 Prozent). Der verminderte Sauerstoffgehalt regt die Bildung von Erythrozyten an. Lance Armstrong schlief in so einem Zelt und trainierte viel in der Ebene, nicht ständig in den Bergen. Es gibt auch Luftdruckkammern (Low Oxygen System) in denen ein Höhentraining simuliert wird. (eb)

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