Ärzte Zeitung, 20.07.2007

Weniger Etappen und mehr Pausen bei der Tour?

Chef des Sportausschusses im Bundestag fordert Konsequenzen nach dem jüngsten Doping-Fall

FRANKFURT/MAIN (Smi). Ein hartes Eingreifen bei Sportereignissen wie der Tour de France fordert der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Peter Danckert (SPD). Er reagiert damit auf den Dopingfall um den Radprofi Patrik Sinkewitz.

"Wenn wir wollen, dass das Ganze ohne Doping passiert, dann müssen Etappen gestrichen und mehr Pausen eingelegt werden", sagte Danckert. ARD und ZDF haben nach dem neuen Dopingskandal entschieden, vorerst keine Live-Bilder mehr von der Tour de France zu bringen. Danckert lobte diesen Schritt.

"Man sollte die Übertragung von Radsportveranstaltungen dauerhaft aussetzen, falls unter den Radsportlern kein Mentalitätswechsel einsetzen sollte", sagte der Sportausschuss-Vorsitzende. "Vielleicht muss man ihnen zunächst die Basis, also Medienpräsenz und Sponsoring nehmen. Statt Zuckerbrot und Peitsche brauchen die scheinbar erst mal nur noch Peitsche."

Der T-Mobile-Fahrer Patrik Sinkewitz ist bei einer Trainingskontrolle am 8. Juni positiv auf Testosteron getestet worden (wir berichteten). Gemessen wurde der Quotient von Testosteron zu Epitestosteron. Der erlaubte Grenzwert beträgt 4:1, bei Sinkewitz wurden 24:1 gemessen. Zuletzt war auch sein früherer Mannschaftskollege Matthias Kessler vom Team Astana mit zu hohem Testosteron-Wert getestet worden. Bei ihm wurde ein Testosteron/Epitestosteron-Quotient von 85:1 gemessen.

Sinkewitz, der nach einem schweren Sturz bei der Tour de France in Hamburg operiert werden musste, reagierte entsetzt. "Ich? Wieso ich? Davon weiß ich nichts. Das kann nicht sein", waren seine ersten Worte. Er kann nun selbst entscheiden, ob nach der positiven A-Probe auch die B-Probe geöffnet und untersucht werden soll. Sinkewitz wurde von seinem Rennstall suspendiert. Ihm droht eine Zweijahres-Sperre.

Zudem wäre der 26-Jährige, sofern sich das positive Testergebnis durch die B-Probe bestätigt, der erste Radprofi, der ein Jahresgehalt als Strafe zahlen muss. Sinkewitz hat eine entsprechende Ethik-Verpflichtung unterschrieben. Sein Jahresgehalt wird auf 500 000 Euro geschätzt.

In der Vergangenheit hatte Sinkewitz, der in diesem Jahr das Rennen "Rund um den Henninger Turm" in Frankfurt/Main gewonnen hat, mit dem umstrittenen italienischen Arzt Michele Ferrari zusammen gearbeitet, der als "Dottore Epo" eine unrühmliche Bekanntheit erlangt hat.

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