Ärzte Zeitung, 01.12.2004

Privates Gesundheitsportal nun auch in Sachsen

Informationsangebot soll das der Körperschaften im Web übertreffen / Kammer beurteilt Zusatznutzen skeptisch

LEIPZIG (dür). Knapp drei Jahre nach dem Start des Gesundheitslotse-Sachsen.de, einem Gemeinschaftsprojekt der Landesärztekammer, der KV und der Krankenkassen in Sachsen, hat der Kaufmann Wendelin Gratz aus Baden-Württemberg im Internet ein weiteres Gesundheitsportal gestartet. Es firmiert unter der Internet-Adresse www.gesundheitsnetz-sachsen.de. Es verspricht, "jetzt schon das führende Portal des Gesundheitswesens" zu sein.

Gratz hatte vor drei Jahren damit begonnen, ein Gesundheitsportal für Deutschland zu planen und ausgehend von Baden-Württemberg aufzubauen. Er habe den "Caritas-Verband e.V." als Partner gefunden.

Im April des vergangenen Jahres ging zunächst das Gesundheitsnetz Baden-Württemberg ans Netz. Sodann folgten die Netze für Schleswig-Holstein, Berlin, Brandenburg und kürzlich nun Sachsen.

Im Vergleich zu den von den Körperschaften installierten und gepflegten Web-Angeboten zur Orientierung der Bürger im Gesundheitswesen sieht der kommerzielle Betreiber den Vorteil seines Portals darin, "mehr Kontakte durch Vertriebspartner zu ermöglichen". Gratz: "Wir legen Wert auf Neutralität, sind umfassender, weil unser Netz auch Hebammen, Krankentransporte, Wellness-Anbieter, Pflegeeinrichtungen führt und mit Städten und Kommunen kooperiert." Darüberhinaus könnten diejenigen, die sich über ein Paßwort einloggen, auch untereinander und mit anderen Leistungsanbietern kommunizieren.

Kammer steht Wettbewerber eher skeptisch gegenüber

Die sächsische Landesärztekammer hingegen betrachtet das kommerzielle Gesundheitsnetz eher skeptisch: "Es bietet gegenüber dem Gesundheitslotsen keinen Zusatznutzen. Außerdem kann der Anbieter nicht gewährleisten, daß die Daten immer aktuell sind", bemängelt Kammersprecher Knut Köhler.

Der sächsische Gesundheitslotse umfaßt Ärzte, Kliniken, Apotheken, Selbsthilfe, Notdienste und bundesweit Reha-Kliniken. Über Links erhalten Nutzer auch Zugriff auf das ganze Informationsspektrum der Körperschaften und Verbände.

Gratz räumt Schwächen seines Privatnetzes bezüglich der Aktualität ein. Er habe versucht, die Ärzte-Adressen von den Ärztekammern zu erhalten. Da das nicht klappte, stütze er sich auf Telefonbücher und andere öffentlich zugängliche Verzeichnisse.

"Wir schreiben die Ärzte an und teilen ihnen mit, daß wir einen Grundeintrag ihrer Adreßstammdaten unter ihrem Namen für den jeweiligen Landkreis ins Gesundheitsportal einfügen. Damit bekommen wir Rückmeldungen über Änderungen", erklärt Gratz. Daß immer alles auf aktuellstem Stand sei, könne im übrigen kein Internetportal garantieren, meint er.

Falls Ärzte oder andere Anbieter von Gesundheitsleistungen dem Eintrag widersprechen, würden ihre Daten gelöscht, versichert der Kaufmann. Er fügt jedoch hinzu: "Wir bekommen keine Beschwerden, aber viel positive Resonanz."

Die Gesundheitsnetze sind im Grundaufbau mit einem Branchenbuch vergleichbar. Untergliedert nach Landkreisen und Städten kann der Nutzer Ärzte, Apotheken, Kliniken sowie unter Gesundheit und Soziales andere Anbieter wie Wohlfahrtsverbände, Pflegedienste und Pflegeheime, Fußpflege oder Physiotherapeuten und, soweit sich Städte und Gemeinden beteiligen, deren Gesundheitsdienste finden.

Das Netz beinhaltet zusätzliche Service-Leistungen wie eine Job-Börse (vor allem für Pflegeberufe interessant), aktuelle Termine wie Selbsthilfetreffen oder zur Blutspende und ein geschlossenes Forum, das nur mit Paßwort zugänglich ist.

Nur die Grundinformation ist kostenfrei

Einträge über den Grundeintrag hinaus sind für Ärzte und andere Anbieter kostenpflichtig. Die Preise bewegen sich zwischen 40 Euro für eine Seite mit Detailinformationen und Bildern bis zu 195 Euro pro Jahr für den Haupteintrag, Detailseite, Routenplaner und Redaktionssystem. Von den Zusatzeinträgen machen bisher allerdings nur wenige Gesundheitsberufe und Gesundheitsanbieter Gebrauch, sagt Gratz.

Insgesamt verzeichnen die Netze 800 000 Besucher

Der Unternehmer ist jedoch optimistisch. "Das Netz wird sich weiter entfalten", lautet seine Prognose. So könne das Baden-Württemberger Portal bereits insgesamt 60 000 Einträge verzeichnen. Alle fünf Netze registrierten zur Zeit rund 800 000 Besucher pro Monat, berichtet der Betreiber.

Info: www.gesundheitsnetz-sachsen.de, E-Mail: oehme@gesundheitsnetz-sachsen.de

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