Ärzte Zeitung, 23.11.2007

KOMMENTAR

Die Täter, das sind immer die Eltern

Von Michael Hubert

Wieder haben Eltern ihr Kind verhungern lassen. Sieben Kilogramm wog das fünfjährige Mädchen aus Schwerin - soviel wie ein einjähriges Kind. Wie meist bei einem so tragischen Schicksal startet der Medienreflex: Es wird gefragt, warum die Nachbarn nichts bemerkt und getan haben, was Freunde und Bekannte, was die Gesellschaft. Dabei schwingt immer die Frage mit: Wer ist schuld?

Diese Frage ist klar und schnell zu beantworten: Schuld sind die Eltern, die ihr Kind verhungern lassen. Schuld sind die Eltern, die ihr Kind in den Keller sperren. Schuld ist die Mutter, die ihre Neugeborenen tötet und im Blumenbeet verscharrt. Handelnde Subjekte sind für ihre Handlungen verantwortlich - niemand anderes. Diese Einsicht scheint in unserer Gesellschaft verloren zu gehen: Du selbst bist für deine Handlungen verantwortlich!

Ohne diese Einsicht kann nicht beantwortet werden: Was sind das für Menschen, die ihre Kinder einsperren, verhungern lassen, umbringen? Nur mit dieser Antwort ist es möglich, Maßnahmen zu ergreifen, um Risiken zu minimieren. Absolute Sicherheit aber wird nie geben. Auch das muss klar sein.

Ein erster Schritt sind verbindliche U-Untersuchungen. Pädiater erkennen Mangelernährung und Misshandlungsspuren. Geregelt werden muss auch: Wann wird was an wen gemeldet? Und: Will die Gesellschaft diese Pflichtuntersuchungen, muss sie auch die Kosten tragen - und nicht die Versichertengemeinschaft.

[23.11.2007, 17:23:55]
Horst Oswald 
Statement von Michael Hubert Schuldfrage bei Kindes
Ich unterstütze die Meinung des Verfassers, dies ist ein klares notwendiges Statement.
Die unendliche Toleranz gegenüber jedem Fehlverhalten und die ständige Bemühung von entschuldigenden Faktoren führt zu Verantwortungslosigkeit und Desinteresse.
Sicherlich haben die an Primitivität nicht mehr zu unterbietenden Inhalte der kommerziellen Fernsehsender ebenso ihren Anteil am Verhalten und der Verrohung einer bestimmten Bevölkerungsschicht.

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