Ärzte Zeitung, 29.04.2008

KOMMENTAR

Gute Bedingungen, gute Arbeitskräfte

Von Angela Mißlbeck

Das deutsche Gesundheitswesen tut sich immer noch schwer mit Familienfreundlichkeit. Schichtdienste in Kliniken und überlange Arbeitszeiten in der Niederlassung verlangen von Ärzten und Ärztinnen mit Familie jede Menge organisatorisches Geschick, um das Familienleben parallel zu managen.

Doch der Ausgleich zwischen Arbeits- und Privatleben steht bei Berufsanfängern hoch im Kurs. Sie suchen deshalb in anderen Branchen oder im Ausland bessere, familienfreundlichere Bedingungen als sie in den meisten deutschen Kliniken oder in der Niederlassung bisher geboten werden. Die Folge: Kliniken können Arztstellen nicht besetzen, Praxen finden keine Nachfolger.

Zu wenige Klinikmanager haben bisher erkannt, dass sie mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen punkten können. Gefragt sind nicht nur betriebseigene Kitas mit entsprechenden Öffnungszeiten, sondern auch Arbeitszeitmodelle, die den Wiedereinstieg nach einer Erziehungspause erleichtern oder die Pflege von Angehörigen ermöglichen.

Auch für die ambulante Tätigkeit sind mehr Möglichkeiten einer lebensphasengerechten Berufsgestaltung nötig. Ein Anfang ist mit dem Vertragsarztrechtsänderungsgesetz gemacht. In anderen Wirtschaftszweigen gilt es seit langem als Binsenweisheit, dass gute Arbeitskräfte nur mit guten Arbeitsbedingungen zu bekommen sind. Kliniken und KVen sollten diese Entwicklung nicht länger verschlafen.

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