Ärzte Zeitung, 20.05.2008

Ein "Leben ohne Gift" auf dem Bio-Bauernhof

Caritas erprobt im Saarland ein neues Konzept für Suchtkranke / Substitutions-Patienten sollen eine realistische Ausstiegs-Perspektive bekommen

NEUNKIRCHEN (kin). Substitutions-Patienten sollen im Saarland schon bald auf Bio-Bauernhöfen arbeiten und wohnen. Das Ziel: Statt Dauer-Substitution ein kompletter Ausstieg binnen weniger Jahre.

Das nach eigenen Angaben bundesweit einmalige Projekt hat jetzt der Caritas-Verband Schaumberg-Blies vorgestellt. Seit 2005 kümmert sich die Caritas in zwei saarländischen Landkreisen um die psychosoziale Betreuung von rund 120 Substitutions-Patienten und arbeitet dabei mit vier Praxen in der Region zusammen, die diese Patienten betreuen. Anlass für das neue Projekt war eine Umfrage unter den 120 Patienten. Fast die Hälfte von ihnen äußerte dabei den Wunsch, aus der Substitution komplett auszusteigen.

"Das war für uns überraschend und hat uns zum Nachdenken gebracht", berichtete der am Projekt beteiligte Sozialpädagoge Thomas Mörsdorf. Viele Befragte hätten sich eine Familie gewünscht. Und immer wieder bekam Mörsdorf zu hören: "Wenn ich Arbeit hätte, wäre alles besser".

So entwickelte die Caritas das Projekt "BioLoG - Der Bio-Bauernhof. Leben ohne Gift". Zunächst sollen insgesamt sechs Plätze zur Verfügung stehen - vor allem für junge Patienten. "Wir wollen ihnen eine Perspektive geben", sagte der Leiter des psychosozialen Beratungs- und Behandlungszentrums der Neunkircher Caritas, Dr. Horst Arend. Nach zwei bis drei Jahren können sie nach seiner Einschätzung den kompletten Ausstieg aus der Therapie mit Ersatzstoffen wie Methadon und Polamidon schaffen - entweder stufenweise über eine langsame Reduzierung der Dosis oder radikal nach einer Entgiftung in der Klinik.

Die Caritas setzt bei dem Projekt vor allem auf ihre zehnjährige Erfahrung bei der Unterbringung von psychisch Kranken in Gastfamilien. "Einen Platz zu haben, wo man dazu gehört, setzt große Energien frei", erläuterte Mörsdorf. Seine Erfahrung: Psychisch Kranke hätten dadurch auf einen großen Teil ihrer Medikamente verzichten und auch wieder arbeiten können.

Die Kosten für das auf fünf Jahre angelegte Projekt bezifferte die Caritas auf 210 000 Euro. 155 000 Euro davon kommen von der "Aktion Mensch". Beim Staat wurden bisher keine Mittel beantragt. Anvisiert wird auf Dauer aber eine Übernahme in die Regelversorgung.

Weitere Informationen auch im web unter: http://www.die-brigg.de

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