Ärzte Zeitung, 29.05.2008

Ärztemangel -  da heißt es Warten

In Sachsen sehen Bürger nach einer Umfrage der Links-Fraktion die hausärztliche Versorgung als bedroht an

DRESDEN (tra). Mehr als vier von zehn Bürgern in Sachsen (43 Prozent) bewerten die medizinische Versorgung in ihren Heimatkreisen als "eher schlecht" oder "sehr schlecht". 56 Prozent attestieren der Versorgung im eigenen Landkreis in den zurückliegenden zehn Jahren einen "negativen" oder "sehr negativen Trend".

 Ärztemangel -  da heißt es Warten

Warten, auch wenn es weh tut: Vor allem im Osten registrieren Bürger oft übervolle Wartezimmer.

Foto: dpa

Dies sind Ergebnisse einer nicht-repräsentativen Umfrage "Zur ärztlichen Versorgung im Freistaat Sachsen" der Links-Fraktion im sächsischen Landtag. Von rund 130 000 versandten Fragebögen wurden bislang 3100 zurückgesandt, 2600 sind ausgewertet. Vor allem ältere Menschen haben die Fragen beantwortet. 68 Prozent der Antwortenden waren 60 Jahre oder älter, vier Prozent jünger als 30 Jahre.

Jeder Dritte findet der Umfrage zufolge einen Hausarzt in weniger als einem Kilometer Entfernung, jeder Vierte in einer Distanz von zwei Kilometern. Ein weiteres Viertel muss Wege bis zu fünf Kilometern in Kauf nehmen. Bei zwölf Prozent der Antwortenden sind es bis zu zehn Kilometern, bei sieben Prozent ist die Entfernung noch größer.

Im Landkreis Döbeln warten Patienten bei ihrem Hausarzt am längsten. Knapp acht Prozent sitzen auch bei akuten Erkrankungen den Antworten zufolge länger als drei Stunden im Wartezimmer. Mit 17 Prozent wurde in dieser Region das ärztliche Angebot am seltensten als "normal" oder "gut" eingeschätzt. Der Kreis Döbeln weist jedoch nach Angaben der KV einen Versorgungsgrad von 93,9 Prozent auf.

Ähnlich stellen sich die Probleme in den Kreisen Torgau-Oschatz, im Erzgebirge sowie in Mittelsachsen dar. Sehr gute Einschätzungen der Versorgung kommen aus den Kreisen Leipziger sowie Zwickauer Land, dem Weißeritzkreis, dem Muldental und den Städten Dresden, Leipzig und Kamenz.

Sachsens Gesundheitsministerium hat vor kurzem ein Stipendienprogramm ins Leben gerufen, mit dem Medizinstudenten für die Arbeit im Freistaat gewonnen werden sollen. In den kommenden zehn Jahren werden etwa 40 Prozent der sächsischen Hausärzte in den Ruhestand gehen.

Der Vorsitzende der Links-Fraktion im Landtag Dr. André Hahn forderte mit Blick auf die Umfrage die Angleichung der Arzt-Honorare im Osten auf Westniveau.

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