Ihre Meinung ist gefragt: Machen Sie bei unserer Online-Umfrage mit!

Ärzte Zeitung, 03.07.2008

Versorgung über Grenzen - bei Blockade drohen Strafen

Behandlung auf Kassenkosten im Ausland - EU-Kommission setzt Länder unter Druck

BRÜSSEL (spe). Länder, die künftig darauf bestehen, dass sich Patienten einen Krankenhausaufenthalt im EU-Ausland vorab von ihrer Krankenkasse genehmigen lassen, müssen damit rechnen, dass die Europäische Kommission sie vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt.

EU-Fahnenmeer - Patienten sollen jederzeit die Chance haben, sich in einem Land ihrer Wahl behandeln zu lassen.

Foto: fotolia

Dies machte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou bei der Vorstellung des Kommissionsvorschlags für eine Richtlinie über die Ausübung von Patientenrechten bei der grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung deutlich. Nach den Plänen der Kommission sollen die Patienten künftig ambulante und stationäre Behandlungen im EU-Ausland auf Kosten ihrer Krankenkasse spontan in Anspruch nehmen dürfen.

Die Behörde will grundsätzlich nur in Einzelfällen Ausnahmen zulassen. Diese soll für Länder gelten, die nachweisen können, dass ein allzu großer Run ihrer Sozialversicherten auf ausländische Krankenhäuser ein unkalkulierbares Risiko für das heimische Gesundheitssystem darstellt.

Dies könnte vor allem Länder mit Wartelisten, wie Schweden, Dänemark, Großbritannien oder die Niederlande treffen, hieß es in Brüssel. Die Kommission wolle sich aber vorbehalten, die Ausnahmeregelungen zu prüfen, sagte Vassiliou. Sollte ein Mitgliedstaat Vorabgenehmigungen einführen, obwohl die Behörde dies für nicht gerechtfertigt hält, drohe der Gang zum EuGH, so die Kommissarin weiter.

Sie betonte zugleich, dass sie nicht davon ausgeht, dass der Anteil an Auslandsleistungen von derzeit schätzungsweise ein Prozent des Gesamtbudgets der Sozialversicherungen in der EU (etwa zehn Milliarden Euro) in Zukunft stark zunehmen werde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Was schützt wirklich vor der prallen Sonne?

Auch beim Sonnenschutz setzen immer mehr Menschen auf Naturprodukte. Forscher haben die Schutzwirkung von Samen und Ölen untersucht - mit zwiegespaltenem Ergebnis. mehr »

"Abwarten und Teetrinken geht nicht mehr"

Unser London-Korrespondent Arndt Striegler beobachtet die Brexit-Verhandlungen hautnah - und ist verwundert über die May-Regierung, während die Ärzte immer mehr in Panik verfallen. mehr »

Pflege bleibt Problembereich

Der Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist 2016 drastisch zurückgegangen. Die erweiterten Kontrolloptionen der Leistungsträger müssen aber erst noch Wirkung zeigen. mehr »