Ärzte Zeitung, 16.07.2008

Sport bei der Dialyse macht Kinder und Jugendliche fitter

Gemeinsames Projekt der Unikinderklinik und der Sporthochschule Köln

KÖLN. Auf der bunt angemalten Kinderstation des Kölner Kuratoriums für Dialyse und Nierentransplantation geht es lebhaft zu. Der neunjährige Gökhan Yigit sitzt im großräumigen Behandlungszimmer auf einem Fitness-Rad und tritt kräftig in die Pedale. Von seinen Armen führen Schläuche zu einem Dialysegerät. Gökhan gehört zu zehn Kindern und Jugendlichen zwischen sieben und 19 Jahren, die an einer gemeinsamen Untersuchung der Kinderklinik der Uniklinik Köln und der Deutschen Sporthochschule teilnehmen.

Von Lena Sauer

 Sport bei der Dialyse macht Kinder und Jugendliche fitter

Gökhan Yigit ist neun Jahre alt und muss dreimal in der Woche zur Dialyse. Seitdem er Sport bei der Behandlung macht, fühlt er sich wohler. Fotograf: Wodak

Über drei Monate lassen Ärzte und Sportwissenschaftler die jungen Patienten während der Blutwäsche auf einem Fahrrad trainieren. Die bisherigen Studienergebnisse zeigen eine gesteigerte körperliche Leistungsfähigkeit und ein allgemein besseres Wohlbefinden der Patienten durch Sport während der Behandlung.

"Die Dialyse klaut den Patienten viel Zeit im Alltag", erklärt Professor Bernd Hoppe von der Kinderklinik. Dreimal die Woche kommen die Patienten für drei bis fünf Stunden zur Blutwäsche. Abends seien sie erst spät zu Hause und zu müde, um etwas zu unternehmen. Auch am Tag nach der Dialyse verspürten die jungen Patienten oft wenig Lust sich zu bewegen. Laut Hoppe ist daher die Leistungsfähigkeit von Dialysepatienten im Vergleich zu Gleichaltrigen, besonders nach der Blutwäsche, sehr niedrig.

"Wir wollten ein Sportprogramm, bei dem die Patienten außerhalb des Betts trainieren und so ihre Leistungsfähigkeit wirklich verbessern können", erläutert Hoppe. Das Team untersuchte die jungen Teilnehmer zunächst drei Monate ohne Sport jeweils vor und nach der Blutwäsche, anschließend drei Monate unter Training.

"Die Patienten haben nach einer individuell ermittelten Herzfrequenz und in einer vorgegebenen Zeitspanne bei jeder Dialyse trainiert", sagt Dr. Bettina Schar vom Institut für Reha und Behindertensport der Sporthochschule Köln. Die Trainingseinheiten wurden von 15 Minuten auf 50 Minuten kontinuierlich gesteigert. Die Untersuchung habe gezeigt, dass der Sport die Leistungsfähigkeit, die Motivation und die Konzentration der Teilnehmer erhöhe, so Hoppe.

Das Projekt kostet über 20 000 Euro. Der Verein Renniere, der sich die Unterstützung junger Dialysepatienten zur Aufgabe gemacht hat, fördert die Untersuchung. "Wir sehen hier unsere Vereinsziele gut vertreten, Kinder, die zur Dialyse müssen, über Sport zu integrieren und ihre Leistungsfähigkeit zu steigern", sagt Christiane Wicht-Stieber von Renniere.

In einer Langzeitstudie wollen die Uniklinik und die Sporthochschule Köln weitere Auswirkungen des Spezialtrainings untersuchen, beispielweise auf die Blutbildung und das Knochen- und Muskelwachstum. "Der Fortgang ist vom Geld abhängig", sagt Hoppe. Langfristig sieht er die Kassen in der Pflicht, da eine bessere körperliche Verfassung der Patienten auch dazu führe, dass weniger Medikamente verordnet werden müssten.

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