Ärzte Zeitung, 23.07.2008

Fett weg, neue Brüste, neues Gesicht

Umstrittene Doku-Serie / Schauspielerin Brigitte Nielsen unterzieht sich diversen Schönheit-Ops - und RTL ist dabei

DARMSTADT. Sie ist noch grün und blau im Gesicht von ihrer letzten Op, einem Lifting. Trotzdem legt sich Brigitte Nielsen (44) auf den Op-Tisch, um ihre Brustimplantate erneuern zu lassen. RTL ist mit der Kamera dabei.

Von Sabine Schiner

Will schöner werden: Schauspielerin Brigitte Nielsen

Foto: imago

In der vierteiligen Serie "Aus alt mach neu - Brigitte Nielsen in der Promi-Beauty-Klinik" können die Zuschauer der Ex-Ehefrau von US-Schauspieler Sylvester Stallone zusehen, wie es ist, einen Marathon der ganz besonderen Art hinter sich zu bringen. In der Darmstädter Rosenparkklinik hat sich das ehemalige Busenwunder Fett absaugen, ihr Gesicht liften und die Brustimplantate erneuern lassen. In einer achtstündigen Sitzung wurde zudem ihr Gebiss saniert. Drei Wochen hat die Generalüberholung gedauert, 66 000 Euro hat sie gekostet.

"Ausgewogene Berichterstattung"

Glaubt man RTL-Sprecherin Heike Schultz, kommt die Sendung gut an. "Es gibt groß keine Proteste", sagt sie auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Der Sender bemühe sich um eine "ausgewogene Berichterstattung". Zudem habe RTL von Anfang an einen medizinischen Fachanwalt eingeschaltet und sich die Zustimmung von Jugendschützern geholt.

Kritik an der Sendung kommt von Schönheitschirurgen. Sie fürchten, dass ihre Branche durch solche Serien in Verruf gebracht wird. "Leider wird in vielen Fernsehserien dem Zuschauer vorgegaukelt, dass die Schönheitschirurgie eine Beauty-Medizin ist, die man zwischen Tür und Angel durchführen lassen kann, ähnlich einem Friseurbesuch", sagte kürzlich etwa Professor Werner Mang, Präsident der Internationalen Gesellschaft für Ästhetische Medizin (IGAEM) der "Bild".

Dem stimmt Professor Günter Germann, Präsident der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) zu. Der Zeitraum von vier Op in drei Wochen sei äußerst bedenklich. Face-Lifting, Brust-Ops und Fettabsaugungen seien kein Spaziergang. Dass das ganze Prozedere dann auch noch "so entwürdigend öffentlich" gemacht worden sei, lehne sein Verband entschieden ab. Zudem werde durch die Sendung der Eindruck erweckt, alles sei machbar.

Für RTL und andere private Sender sind Filme über Schönheitsoperationen eine Möglichkeit, die Zuschauer-Quoten zu erhöhen. Immer mehr Frauen sind schließlich auch in Deutschland bereit, für eine Faltentherapie, Brustveränderung, Nasenkorrektur oder für Fettabsaugen viel Geld auszugeben. 2007 gab es in Deutschland etwa 750 000 Schönheits-Ops - vor zehn Jahren waren es noch halb so viele.

Nach einer Sendung wie "Aus alt mach neu" laufen in der Berliner Geschäftsstelle des DGPRÄC die Telefone heiß, erzählt Pressesprecherin Kerstin van Ark der "Ärzte Zeitung".

Viele Frauen erkundigten sich dann nach der Adresse der behandelnden Ärzte und informierten sich über die Kosten. "Das ist immer so, wenn Medien wie RTL über Schönheitsoperationen berichten", sagt sie. "Am nächsten Tag habe ich 30 Patientinnen am Telefon, die dann auch eine Brust-Vergrößerung oder einen Schmollmund haben wollen." Die Welt sei nach solchen Fernsehsendungen außer "Rand und Band".

Ihrer Meinung nach müssten die Zuschauer in solchen Sendungen über die Risiken und Gefahren aufgeklärt werden. "Die wenigsten wissen, dass sie sich künftig an den Kosten beteiligen müssen, wenn es bei einer Schönheitsoperation, die medizinisch nicht indiziert war, zu Komplikationen gekommen ist", berichtet van Ark. Werde zudem fachfremd operiert, greife häufig der Haftpflichtversicherungsschutz des Arztes nicht mehr. "Damit können auf die Patienten auch noch zusätzliche finanzielle Kosten zukommen", warnt van Ark.

Serie "Alkoholentzug" ist schon im Kasten

Sie ist froh, dass es in der Nielsen-Serie um Fettabsaugen und Face-Liftung gegangen ist, und nicht um "völlig abseitige Operationen" wie Schamlippenkorrekturen. Ihre Prophezeiung: "Am Tag nach der Ausstrahlung könnten plötzlich viele Frauen nicht mehr mit ihren Schamlippen leben."

Welche Eingriffe Brigitte Nielsen noch plant und ob ihre Schönheits-Operationen gelungen sind, wird am nächsten Sonntag (19.25 Uhr, RTL) zu sehen sein. Dann wird die vierte und letzte Folge ausgestrahlt. Sie scheint alles gut verkraftet zu haben. Ihr behandelnder Arzt, Dr. Gerhard Sattler, bescheinigte der Dänin die "Natur eines Bullen". Im Kasten sind auch ihre Erfahrungen beim Alkoholentzug in einer US-Klinik. Anfang August wird die Doku-Serie "Celebrity Rehab" auf MTV zu sehen sein.

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