Ärzte Zeitung, 23.07.2008

KOMMENTAR

Ein Abbild deutscher Lebensrealität

Von Florian Staeck

"Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde." Heute wäre das nicht mehr so einfach, wie es im Lukas-Evangelium berichtet wird. Eine Volkszählung würde Hunderte von Millionen Euro kosten und vermutlich - wie bei der letzten Zählung 1987 - erhebliche Widerstände hervorrufen.

Dabei sind akkurate Daten das A & O einer fundierten Sozial- und Gesundheitspolitik. Das fängt allein schon bei der Frage an, wie viele Menschen in diesem Land leben. 1,3 Millionen Menschen weniger als angenommen haben ihren dauerhaften Sitz in Deutschland. Das hat ein Testlauf für einen Zensus ergeben, der für das Jahr 2011 geplant ist. Vor wenigen Wochen war noch von vier Millionen Bürgern die Rede, die nur noch in den Statistikämtern weiterleben.

Um die Planungsgrundlagen für die Familien-, Bildungs- und Sozialpolitik scheint es gegenwärtig nicht viel besser bestellt als zu Zeiten von Kaiser Augustus. Dabei liefern die oft als lästige Bürokraten geschmähten Statistiker das Basismaterial, wenn nicht ideologisch, sondern faktengestützt über Politik gestritten werden soll: Wie hoch ist der Anteil armutsgefährdeter Familien? Wie häufig arbeiten beide Elternteile, welche Bedeutung hat noch die Ehe für die Familienbildung? Die Daten der Statistiker liefern -  im besten Fall -   ein Abbild der Lebensrealität in Deutschland und können helfen, manche Parteitags-Diskussion überflüssig zu machen.

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Die Zahl der Deutschen ist doch nicht so gering wie angenommen

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