Ärzte Zeitung, 09.10.2008

Pädiater fordern von der Koalition "Taten statt Daten"

DGKJ: Deutschland bei der gesundheitlichen Versorgung von Kindern nur Mittelmaß / Maßnahmenpaket gefordert

MÜNCHEN (ras). Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) hat bei ihrer Jahrestagung in München "Taten statt Daten" eingefordert, um die gesundheitliche Versorgung von Kindern und Jugendlichen zu verbessern.

Pädiater sorgen sich um die Gesundheit des Nachwuchses.

Foto: dpa

Es gehe den Kindern nach Ansicht von Kongresspräsident Dietrich Reinhardt hierzulande "verdammt schlecht". Daten und Statistiken geben es zwar viele, nirgendwo jedoch sei Deutschland Spitze, wenn es um die gesundheitlichen Belange von Kindern und Jugendlichen gehe, kritisierte Reinhardt.

In den meisten Bereichen sei die Versorgungsqualität allenfalls mittelmäßig. Die betreffe etwa die Durchimpfungsraten, das Ausmaß des Alkoholkonsums von Jugendlichen oder die Säuglingssterblichkeit, bei der Deutschland im "grauen Mittelfeld" aller OECD-Staaten (zwölfter Platz) versinke.

Besorgniserregend sei zudem die starke Zunahme von Übergewicht und Adipositas. So ist in Niedersachsen bereits im Vorschulalter bei 11,7 Prozent aller Kinder Übergewicht oder gar Adipositas festgestellt worden. Eine "extrem hohe Prävalenz" werde auch bei allergischen und atopischen Erkrankungen sowie bei Verhaltensstörungen und psychischen Problemen wie ADHS oder Essstörungen offenkundig.

Aus Sicht von Kongresspräsident Reinhardt sind daher folgende Maßnahmen überfällig:

  • Bessere Versorgungsstrukturen speziell für die neuen Krankheitsbilder, die von den Ärzten mit den bisherigen gesundheitlichen Angeboten künftig nicht bewältigt werden können;
  • Etablierung der Versorgungsforschung in Deutschland. Dabei sei insbesondere zu klären, warum psychische Verhaltensstörungen und ein verändertes Sozialverhalten derart zunehmen und wie diesen Trends ganz konkret präventiv begegnet werden könne;
  • Intensivierung der "Translationsforschung": Erst dann gelinge es, klinische Forschungsergebnisse für das kranke Kind in die Praxis zu übertragen und nutzbar zu machen.

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