Ärzte Zeitung, 10.11.2008

"Wer in die Forschung geht, wird bestraft"

Als der Marburger Bund die ersten arztspezifischen Tarifverträge abschließen konnte, gab es zwei Punkte, die für Unmut sorgten: Keine Tarifangleichung in Ost und West, und die Verträge galten nicht für Ärzte, die in der Forschung tätig sind.

Von Christiane Badenberg

"Wer in die Forschung geht, wird bestraft"

Viele Mediziner sind an Forschungstätigkeiten interessiert. Die Verdienstmöglichkeiten sind jedoch bescheiden.

Foto: BMBF

Bei den Gehältern an den ostdeutschen Kliniken hat sich durch neue Vereinbarungen mittlerweile einiges getan, aber die forschenden Ärzte sind weiter deutlich gegenüber den Kollegen in der Patientenversorgung benachteiligt. Das führt nach Angaben von MB-Chef Rudolf Henke dazu, dass zum Beispiel ein Assistenzarzt in Weiterbildung, im fünften Berufsjahr 10 000 Euro pro Jahr weniger verdient, als sein Kollege, der überwiegend in der Patientenversorgung tätig ist.

Bei einem Oberarzt im siebten Berufsjahr sind es nach Henkes Angaben sogar 25 000 Euro. Nicht eingerechnet sind Bereitschaftsdienste und Überstunden. Noch stärker benachteiligt sind Naturwissenschaftler, die in der medizinischen Forschung arbeiten. Sie verdienen noch einmal deutlich weniger.

Um auf diese Ungerechtigkeiten aufmerksam zu machen und nach Lösungen zu suchen, hatte der Marburger Bund das Thema "Gesundheit braucht exzellente Forschung - Forschung braucht motivierte Ärzte" zum Schwerpunktthema seiner 114. Hauptversammlung gemacht. Dabei stellte sich schnell heraus, dass die angereisten Experten zwar viele gute Vorschläge hatten, wie junge Ärzte für die Forschung motiviert werden könnten, allerdings meistens die Rahmenbedingungen fehlen, um diese auch umsetzen zu können.

Arzt, Forscher und Manager, das ist zuviel verlangt

So kritisierte der Generalsekretär des Wissenschaftsrates, Wedig von Heyden, dass ein guter Medizinforscher auch noch in der Versorgung tätig sein und gleichzeitig Managerqualitäten haben müsse, um Drittmittel einzuwerben. Diese Ansprüche seien kaum miteinander vereinbar, stimmte ihm auch Professor Guido Adler von der Uniklinik Ulm zu. Um die Forschungstätigkeit attraktiver zu machen regte Adler an, dass der Forscher, der die Drittmittel eingeworben habe, drei bis fünf Prozent der Summe für sich behalten sollen dürfe.

Der MB fordere schon lange - aber bislang leider vergebens -, dass der Forscher zehn Prozent bekommen solle, so der zweite Vorsitzende des Verbandes Dr. Andreas Botzlar. Adler warb dafür, dass es an medizinischen Forschungseinrichtungen eine Art Doppelspitze geben solle. Eine Führungskraft solle die Finanzmittel organisieren, die andere die Forschungsaktivitäten koordinieren.

Er habe auch lange diese Art von Provision für sinnvoll gehalten, berichtete Professor Jörg Rüdiger Siewert vom Verband der Universitätsklinika Deutschlands. Der Besuch in einer amerikanischen Mayo Klinik habe ihn allerdings nachdenklich gemacht. "Die Zufriedenheit der Ärzte, die alle das gleiche, allerdings recht hohe Fixum erhalten haben, war sehr groß", berichtete Siewert.

Forschung oder Versorgung - wann soll Entscheidung fallen?

Umstritten ist, ob sich angehende Mediziner schon im Studium entscheiden sollten, ob sie in die Forschung oder in die Krankenversorgung gehen. Dagegen sprach sich Professor Gerhard Rogler vom Unispital Zürich aus: "Man sollte Forschung und Versorgung nicht total trennen", sagte Rogler. Und Siewert pflichtete ihm bei: "Der Umstieg von der Forschung in die Versorgung sollte lange zulässig sein."

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