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Ärzte Zeitung, 20.11.2008

Freier Wettbewerb nicht gefragt

Markt und Wettbewerb als ordnende Kraft in der Gesundheitsversorgung - das stößt bei den Bürgern mehrheitlich auf Ablehnung.

Lediglich die relativ großen Wahlfreiheiten in einem solchen System werden mehrheitlich befürwortet. Angesichts der insgesamt skeptischen Haltung der Bevölkerung gegenüber einem Wettbewerbsmodell erscheint ein solches Szenario auch aus politischen Umsetzungsgründen von allen drei im Rahmen der Delphi-Studie entwickelten Szenarien als das unwahrscheinlichste.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

Wenn der Staat lediglich garantiert, dass niemandem wichtige Leistungen vorenthalten werden dürfen, jedoch die Ausgestaltung von Leistungen den Versicherungen und Versicherten überlassen bleibt, dann würden dies von den Befragten 41,1 Prozent als gut oder sogar sehr gut betrachten. 30,8 Prozent, also ein erheblicher Teil, würde dies jedoch als schlecht oder sehr schlecht bewerten. 28,2 Prozent sind unentschieden.

Das vielfältig ausgestaltete Angebot erhält im Szenario C die besten Bewertungen. Wenn Organisationen wie Patientenverbände, Gewerkschaften oder Arbeitgeber im Interesse von Versicherten Gruppentarife abschließen, die die Wahl des Versicherten erleichtern, so stößt dies bei 54,3 Prozent auf Zustimmung. Lediglich 13,1 Prozent lehnen dies eindeutig ab. Fast ein Drittel der Befragten ist jedoch unentschieden.

Ein solches Modell ist jedoch rein marktwirtschaftlich und wettbewerblich ausgerichtet. Freier Vertragswettbewerb zwischen Versicherungen, Ärzten, Krankenhäusern und Arzneimittelherstellern mit vielfältigen Ausgestaltungsmöglichkeiten und sehr unterschiedlicher medizinischer Versorgung werden nur von gut einem Fünftel der Befragten (20,9 Prozent) befürwortet. 50,9 Prozent lehnen dies ab. Mit 27,9 Prozent ist auch hier der Anteil der Unentschiedenen relativ hoch.

Zur Erinnerung: 1000 repräsentativ ausgewählte Bürger wurden zum Szenario C befragt. Sie erhielten für ein besseres Verständnis zunächst einige Basisinformationen: Der medizinische Fortschritt sorgt dafür, dass ständig neue und verbesserte Behandlungsmethoden entwickelt werden. Sie sind jedoch fast immer sehr viel teurer als die herkömmlichen Methoden und Arzneimittel.

Die zweite Hintergrundinfo: Die Bevölkerung in Deutschland wird immer älter. Damit steigt auch der Bedarf an medizinischer Versorgung.

Danach wurden die Teilnehmer um ihre Meinung für einen Vorschlag zur Reform des Gesundheitswesens gebeten, "wie es im Jahr 2020 sein könnte". (HL/fuh )

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