Ärzte Zeitung, 11.12.2008

Verweildauer in Kliniken erreicht Tiefstand

Mehr Patienten, weniger Betten, schnellere Behandlung: Deutschlands Krankenhauslandschaft befindet sich seit 1991 in einem grundlegenden Umbruch.

Von Bülent Erdogan

Seit 1991 hat die Zahl der Kliniken um 13, die Zahl der Betten sogar um 24 Prozent abgenommen.

Vor dem heute stattfindenden Gespräch der Koalitionsfraktionen zur Reform der Klinikfinanzierung (wir berichteten) hat das Statistische Bundesamt gestern grundlegende Daten zur Entwicklung der deutschen Krankenhauslandschaft vorgestellt: Danach ist die Zahl der Kliniken von 1991 bis Ende 2007 um 13 Prozent auf 2087 Häuser zurückgegangen. Die Zahl der Betten sank um knapp 24 Prozent auf 507 000, in Berlin fiel sogar jedes zweite Bett weg. Die Bettenauslastung sank trotz einer um 18 Prozent gestiegenen Patientenzahl (17 Millionen Fälle) von 84,1 auf 77,2 Prozent. Grund war eine deutliche Abnahme der Verweildauer von 14 auf einen neuen Tiefstand von 8,3 Tagen.

Verweildauer sinkt seit den 1990ern

Allerdings, so Karin Böhm, Leiterin der Gruppe Gesundheit beim Statistischen Bundesamt, sind die stärksten Verweildauersenkungen mit jährlich rund 0,5 Tagen bereis Mitte der neunziger Jahre erfolgt und damit nicht erst mit der Einführung der Fallpauschalen 2004. Seit 1998, so Böhm, sinkt die Verweildauer jährlich um etwa 0,2 bis 0,3 Tage.

Trotz der Zahlen wollten die Statistiker keine generelle Überkapazität im Krankenhauswesen konstatieren. Denn bis 2030 gehen sie von einem weiteren Anstieg der Fallzahlen auf 18 bis 19 Millionen aus. Grund ist die demografische Entwicklung, die trotz eines Bevölkerungsrückgangs zu mehr Behandlungen führen dürfte. So erwarten die Statistiker, dass Herzkreislauferkrankungen um 34 Prozent, Krebsleiden um 21 Prozent zunehmen werden.

Private Träger rollen den Klinikmarkt auf

Allerdings wollten die Statistiker ihre Prognose auch nicht dahingehend verstanden wissen, dass in Deutschland in Zukunft ein Kapazitätsengpass drohen könnte. Ein Grund für ihre Zurückhaltung ist der aus ihrer Sicht in Deutschland im internationalen Vergleich immer noch hohe Anteil stationärer statt ambulanter Krankenhausbehandlungen. Zudem ist unklar, ob es zu einer weiteren signifikanten Senkung der Verweildauer kommen wird, mit der der erhöhte Behandlungsbedarf aufgefangen werden könnte.

Eindeutig ist derweil der Trend bei der Trägerschaft. Seit 1991 stieg die Zahl der privaten Krankenhäuser von 262 auf 620 Einrichtungen. Ihr Anteil an allen Kliniken verdoppelte sich damit auf 30 Prozent. Die Zahl der öffentlichen Kliniken sank dagegen um 433 Einrichtungen auf einen Anteil von 32 Prozent. Etwa gleich blieb mit 38 Prozent der Anteil der freigemeinnützigen Häuser. Sie liegen mit einer Verweildauer von 8,2 Tagen noch unter dem Bundesdurchschnitt und leicht vor den öffentlichen (8,3 Tage) und den privaten Kliniken (8,7).

Von den 39,7 Millionen Eingriffen und Behandlungen im Jahr 2007 entfielen 33 Prozent auf Operationen, 27 Prozent auf Maßnahmen wie Strahlentherapie oder die Überwachung von Atmung, Herz und Kreislauf, 21 Prozent auf diagnostische Maßnahmen wie Biopsien oder Endoskopien. 14,7 Prozent betrug der Anteil der bildgebenden Diagnostik. Die häufigsten operativen Eingriffe betrafen den Bewegungsapparat.

Die komplette Statistik im Internet: www.destatis.de

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