Ärzte Zeitung, 23.12.2008

Private Konzerne rollen den deutschen Krankenhausmarkt auf

Die Nachricht passt in die Zeit: Ende vergangener Woche verkündete die private Klinik-Kette Helios ihre nächsten Coups - der Konzern übernimmt fünf Kliniken. Der Trend zur Privatisierung der deutschen Krankenhauslandschaft hält an.

Von Bülent Erdogan

Seit 1991 ist die Verweildauer in den Kliniken deutlich zurückgegangen.

Das Krankenhaus am Rosarium in Sangerhausen und das Klinikum Mansfelder Land & Pflege mit seinen Einrichtungen in Lutherstadt Eisleben und Hettstedt sind künftig Teil von Helios. Damit, so der private Träger in seiner Mitteilung voller Stolz, expandiere man nun erstmals auch nach Sachsen-Anhalt. In Niedersachsen kaufte sich Helios im Albert-Schweitzer-Krankenhaus Northeim und dem Evangelischen Krankenhaus Bad Gandersheim ein.

Die Einkaufstour des in Berlin ansässigen Konzerns belegt einmal mehr den anhaltenden Privatisierungs-Trend in der deutschen Krankenhauslandschaft.

Während die Zahl der Kliniken seit 1991 bis Ende 2007 bundesweit um 13 Prozent auf 2087 Einrichtungen zurückging, konnten die Privaten ihren Bestand von 262 auf 620 Kliniken mehr als verdoppeln. Ihr Anteil an allen Häusern stieg von 15 auf 30 Prozent. Die Zahl der öffentlichen Kliniken, so das Statistische Bundesamt in seinem kürzlich vorgestellten Krankenhausreport, sank dagegen um 433 Einrichtungen auf einen Anteil von 32 Prozent. Etwa gleich blieb mit 38 Prozent der Anteil der freigemeinnützigen Häuser.

Der Vormarsch der privaten Träger fällt in eine Zeit der Konzentration und Leistungsintensivierung auf dem deutschen Klinikmarkt: So sank die Zahl der Kliniken seit 1991 um 13 Prozent auf 2087. Die Zahl der Betten sank um knapp ein Viertel auf 507 000, in Berlin fiel sogar jedes zweite Bett weg.

Demgegenüber mussten die Klinikbediensteten in immer kürzerer Zeit immer mehr Patienten behandeln und pflegen. 2007 waren es 17 Millionen Patienten, 18 Prozent mehr als noch 1991. Da die Behandlungsdauer aber um mehr als 40 Prozent von 14 auf 8,3 Tage sank, nahm die Bettenauslastung trotz der gestiegenen Patientenzahl von 84,1 auf 77,2 Prozent ab.

Der Bund fördert neue Pflegejobs mit 660 Millionen Euro.

Trotz geringerer Klinik- und Bettenzahl kennen die Aufwendungen für den Kliniksektor indes nur eine Richtung - nach oben. So legten die Ausgaben seit 1991 um 60 Prozent von 37,4 Milliarden Euro auf 59,8 Milliarden Euro zu. Unterschiedlich war dagegen die Entwicklung bei den Mitarbeitern. Die Zahl der Mitarbeiter im nicht-ärztlichen Dienst nahm von 781 000 auf 666 000 Vollkräfte ab. Dagegen legte die Zahl der Klinikärzte im selben Zeitraum um 32 Prozent auf 126 000 zu. Die Kosten für das ärztliche Personal stiegen im Zeitraum um 107 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro. Im Saldo arbeiteten 2007 rund 83000 Menschen weniger an den Kliniken als noch 1991.

Mit einem Förderprogramm in Höhe von 660 Millionen Euro will die Bundesregierung in den kommenden drei Jahren jetzt bis zu 17 000 neuen Pflegestellen schaffen. Auf sie kommt derweil viel Arbeit zu. Bis 2030 gehen die Experten vom Statistischen Bundesamt nämlich von einem weiteren Anstieg der Patientenzahl auf 18 bis 19 Millionen aus. Sie prognostizieren, dass zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen um 34 Prozent, Krebsleiden um 21 Prozent zunehmen werden. Grund ist die demografische Entwicklung, die trotz eines deutlichen Bevölkerungsrückgangs auf unter 80 Millionen Bürger zu mehr Behandlungen führen dürfte.

Verweildauer sinkt seit 1998 um 0,2 Tage pro Jahr

Nach Angaben von Karin Böhm vom Statistischen Bundesamt sind die Erfolge bei der Absenkung der Verweildauer nicht mit der Einführung der Fallpauschalen 2004/2005 verbunden. Die stärksten Verweildauersenkungen mit jährlich rund 0,5 Tagen habe es bereis Mitte der neunziger Jahre gegeben.

Seit 1998, so Böhm, sinke die Verweildauer jährlich um etwa 0,2 bis 0,3 Tage. Ob der für 2030 erwartete Anstieg der Patientenzahlen wieder zu einer höheren Auslastung der Kliniken führen wird, dürfte zum einen von der weiteren Entwicklung bei der Verweildauer abhängen, zum anderen davon, ob bisher stationäre Behandlungen kün-ftig ambulant erfolgen. (ble)

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