Ärzte Zeitung, 09.01.2009

Kommentar

Verspätete Politikberatung

Von Thomas Hommel

Na toll: Gerade neun Tage ist es her, dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung einen historischen Höchststand erreicht hat, da verrät uns die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in einer Studie: Die Beitragssatzerhöhung war gar nicht nötig. Im Gegenteil: Würden wir das Gesundheitssystem wirtschaftlicher organisieren, dann könnte der jetzt einheitliche Beitragssatz von 15,5 Prozent sogar um einen Punkt gesenkt werden.

Warum die Studienmacher ihre Erkenntnis der Öffentlichkeit nicht schon früher mitgeteilt haben - etwa im Herbst vergangenen Jahres, als heftig über den neuen Beitragssatz diskutiert wurde - bleibt ihr Geheimnis. Politikberatung - und in dieser Rolle sieht sich die INSM - funktioniert nur, wenn die Beratung vor der Entscheidung einsetzt. Dabei ist die Kernbotschaft im Prinzip richtig: Wer aufhört, im Gesundheitswesen nach kostspieligen Ineffizienzen zu suchen, schafft ein Fass ohne Boden.

Freilich: Wer verborgene Einsparmöglichkeiten aufspüren will, der muss schon genau hinschauen. So sollte etwa der in der Studie enthaltene Verweis auf den vergleichsweise "teuren" Arzt in Hamburg berücksichtigen, dass die Lebenshaltungskosten in einer Großstadt höher sind als auf dem flachen Land.

Lesen Sie dazu auch:
Wo die GKV Einsparpotenziale haben soll

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »