Ärzte Zeitung, 13.01.2009

Mehr als jede zehnte Bremerin leidet an Depressionen

Patienten erhalten deutlich häufiger eine medikamentöse Behandlung als eine Psychotherapie

BREMEN (cben). In Bremen leiden 5,5 Prozent der Männer und 11,2 Prozent der Frauen zwischen 18 und 65 Jahren an einer schweren Depression. Diese Zahlen sind im Depressionsbericht der Gesundheitssenatorin Ingelore Rosenkötter (SPD) nachzulesen.

Dem gegenüber steht ein Mangel bei der Psychotherapie an der Weser - trotz nomineller Überversorgung. Die Zahlenbasis für die Studie lieferten die KV Bremen und die Krankenkassen des Landes. Patienten mit Depressionen werden wesentlich häufiger mit Antidepressiva behandelt als mit einer Psychotherapie, heißt es in dem Bericht. Im Jahr 2006 erhielten 32 Prozent der Bremer Versicherten, bei denen eine Depression diagnostiziert wurde, eine Pharmakotherapie.

Mehr als ein Drittel der Verschreibungen von Antidepressiva gehen auf Hausärzte zurück. Andererseits erhielten nur acht Prozent der Patienten eine Psychotherapie. Weitere drei Prozent der Patienten erhielten Medikamente und eine Therapie.

Trotz Überversorgung gibt es Wartezeiten für Therapieplätze.

Oft finden Hausärzte für ihre depressiven Patienten keinen passenden Therapeuten. "So müssen schwer erkrankte Patienten, die zeitnaher Hilfe bedürfen, häufig viele frustrierende Anläufe bei diversen Psychotherapeuten unternehmen", schreiben die Autoren. "Eine Ablehnung oder ‚Vertröstung‘ über einen längeren Zeitraum kann bei schweren Depressionen eine Erhöhung des Suizidrisikos bedeuten."

Dabei gibt die KV Bremen bei den Psychotherapeuten in Bremen-Stadt einen Versorgungsgrad von 164 Prozent und in Bremerhaven von 124 Prozent an. Die Bremer Hausärzte vermuten, "dass sich hinter dem Phänomen der langen Wartezeiten eine Praxis der Selektion nach ‚interessanten Fällen‘ verbirgt", heißt es in der Studie. "Psychotherapeuten verneinen dies, verweisen jedoch auf den hohen, unbezahlten Aufwand, den vor allem die Weitervermittlung akut und schwer erkrankter Patienten mit sich bringt."

Insgesamt erhielten sogar "rund 60 Prozent aller Versicherten mit Depressionsdiagnose keine der zugelassenen Therapien," so der Bericht. Über die Gründe könne man nur spekulieren.

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