Ärzte Zeitung, 19.01.2009

Anlagen-Kolumne

Auch für Obama gelten die Gesetze der Volkswirtschaft

Die konjunkturellen Schnellschüsse des amerikanische Hoffnungsträgers sind keine Lösung der Krise.

Von Jens Ehrhardt

Angesichts der extremen Hoffnungen, die in ihn gesetzt werden, vermittelt US-Präsident Barack Obama den Eindruck, als könne er volkswirtschaftliche Gesetze eliminieren und die USA in ihrer Funktion als Welt-Konjunkturlokomotive wieder in Gang setzen.

Bei den von ihm geplanten Schritten werden häufig Parallelen zu Roosevelt gezogen. Kurz nach seiner Wahl im Jahr 1933 leitete der damalige US-Präsident ein Konjunkturstimulierungsprogramm ein, das mit einem staatlichen Jahresdefizit in Höhe von sechs Prozent bezogen auf die Wirtschaftsleistung verbunden war. Obama nimmt mit seinem Konjunkturprogramm sogar über mehrere Jahre hinweg Defizitquoten von sieben bis acht Prozent in Kauf. Die Maßnahmen Roosevelts brachten zwar eine vorübergehende Erholung bei Konjunktur und Börse, im Grunde tendierten aber Wirtschaft und Börse per Saldo bis 1942 auf tiefem Niveau seitwärts.

2009 wird ein schwieriges und volatiles Börsenjahr.

Auch wenn Obama im Grunde genommen keine andere Wahl hat, werden sich die wirtschaftsbelastenden Einflussfaktoren keinesfalls einfach beseitigen lassen. Nicht die konjunkturellen Schnellschüsse Obamas, sondern eine längere Periode schwacher Wirtschaftsaktivität mit hohen Sparquoten und einem langsamen Abbau der Schulden wären eine nachhaltige Lösung für die Verschuldungsprobleme. Wie ein Mensch nicht nur einatmen, sondern auch einmal ausatmen muss, benötigt auch die Konjunktur einen Abbau der gefährlichen Verschuldungsexzesse. Bestenfalls wird Obama es gelingen, die Problemberge durch die Aufnahme neuer Schulden zeitlich vor sich herzuschieben.

Selbst die Geldpolitik war bisher machtlos. Die amerikanische Notenbank senkte den Leitzins innerhalb rund eines Jahres fast schon panikartig von 5,25 Prozent auf mittlerweile praktisch null. Damit liegt das Zinsniveau sogar niedriger als in Japan. Eine Besserung der konjunkturellen Frühindikatoren war jedoch bisher keinesfalls festzustellen.

Lichtblick für die Börsen ist die negative Stimmung an den Börsen, die in Verbindung mit den hohen Barbeständen privater und institutioneller Anleger durchaus zu Erholungen in der Größenordnung von 20 bis 30 Prozent führen können. Auslöser könnten dabei vereinzelte Konjunktur- oder Unternehmensmeldungen sein, die die negativen Erwartungen übertreffen.

Überhaupt wird 2009 ein schwieriges und volatiles Börsenjahr werden mit starken Aufwärts- und Abwärtsbewegungen an den Aktienmärkten. Allerdings ist es zu früh, bereits heute eine Tendenzwende nach oben auszurufen.

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