Ärzte Zeitung, 28.01.2009

Ärzte warnen vor neuem Kohlekraftwerk

Ausbau eines Kohlekraftwerks in Hessen ist umstritten / Stadt Hanau wehrt sich

HANAU (ine). Umweltschützer und Ärzte protestieren gegen den Ausbau des Eon-Kohlekraftwerkes Staudinger in Großkrotzenburg östlich von Hanau. Bis 2012 will der Eon-Konzern einen neuen Block mit einer Leistung von 1100 Megawatt bauen. Derzeit läuft ein Raumordnungsverfahren beim Regierungspräsidium Darmstadt.

Ärzte warnen vor neuem Kohlekraftwerk

Bald noch mehr Schlote? Gegen den Ausbau des EON-Kraftwerks Staudinger in Hessen protestieren auch Ärzte.

Foto: imago

Knapp 40 Ärzte aus der Region Hanau, Offenbach und Aschaffenburg haben sich gegen den Ausbau ausgesprochen. Darunter ist auch Dr. Axel Althen aus Hainburg. Der Hausarzt sieht in seiner Praxis eine deutliche Zunahme von Atemwegserkrankungen. "Das ist mein ganz persönlicher, subjektiver Eindruck", sagt Althen im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Er behandelt in seiner Praxis viele Kinder mit Pseudo-Krupp und Asthma. Und auch viele seiner älteren Patienten litten unter chronisch-obstruktiven Atemwegserkrankungen.

Für den Arzt und viele seiner Kollegen steht fest: "Der erheblich erhöhte Ausstoß von Schwefeloxiden, Feinstaub und Schwermetallen durch den geplanten Block 6 bedeutet ein zusätzliches Gesundheitsrisiko." Die Ärzte pflegen deshalb auch die Kontakte zur Bürgerinitiative "Stopp Staudinger!". Große Chancen, den neuen Block verhindern zu können, sieht der Arzt allerdings kaum. "Nach dem Sieg der CDU bei den Landtagswahlen fühle ich eine gewisse Ohnmacht", sagt Althen. "Die politischen Zeichen stehen auf Freifahrt für den Eon-Konzern."

Auch die Stadt Hanau ist gegen den Ausbau des Kohlekraftwerkes. Die Bewohner seien schon durch das bestehende Kraftwerk seit Jahren erheblichen Immissionsbelastungen ausgesetzt, teilt die Stadt mit. Mit dem Bau des Block 6 werde sich die Situation noch verschlechtern. Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) ist froh darüber, dass ein Raumordnungsverfahren eingeleitet worden ist. Dabei könne nun geprüft werden, ob es Alternativen zum Neubau gibt und welche Auswirkungen die Pläne auf Mensch und Umwelt haben. Noch bis 2. Februar liegen die Akten in den betroffenen Kommunen zur Einsicht aus.

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