Ärzte Zeitung, 17.02.2009

Rettungsdienst im Norden wird häufiger alarmiert

Ein Großteil der transportierten Patienten ist älter als 70 Jahre / Keine Hinweise, dass weniger Hausbesuche den Trend begünstigen

HEIDE (di). Der demografische Wandel führt nicht nur in den Praxen zu mehr Arbeit. Auch Rettungsdienste spüren die Auswirkungen.

Immer mehr Arbeit: Rettungssanitäter im Einsatz

Foto: dpa

"Je mehr Menschen über 70 Jahre alt sind, desto häufiger wird auch der Rettungsdienst alarmiert", sagt Michael Reis. Der Geschäftsführer der Rettungsdienst Kooperation in Schleswig-Holstein gGmbH (RkiSH) berichtet von zum Teil deutlichen Steigerungen der Einsatzzahlen.

Im Kreis Pinneberg etwa stiegen die Zahlen im vergangenen Jahr um 13 Prozent, im Kreis Steinburg um über acht Prozent, in RendsburgEckernförde um fünf Prozent. In anderen Kreisen fallen die Zuwächse geringer aus, landesweit liegen die im Norden registrierten Anstiege im Bundestrend. Ein Großteil der vom Rettungsdienst transportierten Patienten ist älter als 70 Jahre. Außer mit dem demografischen Wandel begründet Reis die stärkere Inanspruchnahme auch mit einem allgemein steigenden Gesundheitsbewusststein der Bevölkerung.

Keine Hinweise gibt es darauf, dass verminderte Hausbesuche der niedergelassenen Ärzte den Anstieg der Rettungsfahrten verursachen. Burkhard Sawade, Vorsitzender der KV-Kreisstelle Dithmarschen, berichtet von rund 100 Hausbesuchen, die allein seine Gemeinschaftspraxis pro Woche in der Region leistet.

Auch die Kliniken spüren den Andrang. Trotz sinkender Einwohnerzahlen erwartet etwa das Westküstenklinikum Heide bis zum Jahr 2025 einen Patientenanstieg um rund 20 Prozent. Klinikchef Harald Stender spricht deshalb von einer "demografischen Bugwelle", mit der die Anbieter im Gesundheitswesen fertig werden müssten.

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