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Wer soll die künstliche Befruchtung bezahlen?

Die Diskussion um die künftige Finanzierung der In-vitro Fertilisation geht weiter. Sollen die Kassen wieder voll zahlen, die Länder einspringen oder soll ein Fonds gegründet werden?

Von Rebecca Beerheide Veröffentlicht:
Zeugung im Reagenzglas: Die Zahl der künstlichen Befruchtungen ist stark rückläufig.

Zeugung im Reagenzglas: Die Zahl der künstlichen Befruchtungen ist stark rückläufig.

© Foto: monkey businesswww.fotolia.de

NEU-ISENBURG. Nachdem Sachsen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch finanziell unterstützen wird, denken auch andere Bundesländer über ähnliche Hilfen nach. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) und Thüringer Sozialministerin Christine Lieberknecht (CDU) will bei Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) erreichen, dass die Behandlung zur künstlichen Befruchtung wieder in voller Höhe von der GKV bezahlt wird -  so wie es ein Bundesratsbeschluss aus dem Sommer fordert (wir berichteten).

Die Kassen übernehmen seit 2004 die Behandlung nur noch zu 50 Prozent der Kosten, nach dem dritten Anlauf muss das Paar die Kosten selbst tragen. Daraufhin sank die Zahl der Behandlungen zur künstlichen Befruchtung um die Hälfte. Lieberknecht will sich in einem Gespräch am 6. März mit Schmidt dafür einsetzen, dass die IvF wieder von den Kassen vollständig erstattet wird.

Beschluss im Bundesrat soll zügig umgesetzt werden

"Ich sehe keinen Grund, warum wir nicht wieder zu der Regelung von vor 2004 zurück kehren sollten", sagte Lieberknecht auf Anfrage der "Ärzte Zeitung". Bereits im Sommer 2008 hatte sich Thüringen zusammen mit dem Saarland und Sachsen in einer Bundesratsinitiative dafür ausgesprochen, die In-vitro Fertilisation (IvF) wieder eine vollständige GKV-Leistung wird. Die anderen Länder stimmten der Initiative zu - Gesundheitsministerin Schmidt widersprach postwendend, denn eine Vollfinanzierung sei eine familienpolitische Aufgabe (wir berichteten). Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) forderte nach dem Vorstoß Sachsens mehr Unterstützung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch. Ob ihr Ressort künftig die IvF bezahle, blieb aber offen.

Lieberknecht dagegen beharrt auf der Forderung des Bundesrates. Natürlich könne jedes Bundesland Gelder aus dem Landeshaushalt dafür verwenden. "Doch der Flickenteppich sollte hier nicht zu bunt werden", so Lieberknecht.

Der Teppich wird in der Tat derzeit mit vielen Fäden geknüpft: Sachsen leistet bis zu 1800 Euro für Paare, die gerne Eltern werden wollen. "Ich hoffe, viele Länder schließen sich unserem guten Vorbild an", sagte CDU-Politikerin Christine Clauß (wir berichteten).

Aus Nordrhein-Westfalen kam die Botschaft, man wolle die Erfahrungen in Sachsen beobachten und dann Konsequenzen ziehen.

Hessens Sozialminister Jürgen Banzer (CDU) ging noch weiter und kann sich eine bundesweite Stiftung vorstellen.

IvF soll Teil der Familienpolitik werden

Künstliche Befruchtung sei aber kein Thema für die Krankenkassen. "Andererseits darf die Erfüllung des Kinderwunsches nicht von der finanziellen Situation abhängen", sagte er der Deutschen Presse Agentur. Niedersachsen fordert eine Komplett-Erstattung der Kassen, Mecklenburg-Vorpommern will, dass die IvF aus Steuermitteln bezahlt wird. Bremen, Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein sagten der dpa, dass sie gegen eine Förderung wie in Sachsen sind.

Lieberknecht will die Debatte in diesem Jahr unter ihren Länderkollegen und mit den Bundesministerinnen für Gesundheit und Familie vorantreiben.

"Wir müssen diese Debatte auch im Wahljahr führen. Denn die Menschen fragen uns danach ja unabhängig von Legislaturperioden", so Lieberknecht.

Künstliche Befruchtung (IvF)

In Deutschland erstatten die Kassen verheirateten Paaren die Hälfte der Behandlungskosten. Frauen müssen zwischen 25 und 40, Männer bis 50 Jahre alt sein. Paare ohne Trauschein sind von den finanziellen Hilfen ausgeschlossen. Die Behandlung kostet etwa 5000 Euro. (bee)

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