Ärzte Zeitung, 16.03.2009

"Gesundheitssystem bleibt von der Krise relativ unberührt"

Ulla Schmidt zeigt sich beim Gesundheitskongress in Essen optimistisch / "Fonds-Einführung zum richtigen Zeitpunkt"

ESSEN (iss). Nach Einschätzung von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist der Gesundheitsfonds genau zum richtigen Zeitpunkt eingeführt worden. "In dieser Krise kann uns nichts Besseres passieren als der Fonds", sagte Schmidt beim Gesundheitskongress des Westens in Essen.

"Gesundheitssystem bleibt von der Krise relativ unberührt"

Fordert Entlastung für Ärzte von bürokratischen Aufgaben: Ministerin Ulla Schmidt.

Foto: eh

Die Krankenkassen seien nicht von der Entwicklung der Lohneinkommen und der Beschäftigung abhängig, sondern könnten sich auf eine stabile Finanzplanung stützen.

"Wir sind jetzt in der Lage zu sagen: Der Bund steht für jeden Einnahmeausfall mit einem Liquiditätsdarlehen gerade." Das Gesundheitswesen hat nach Einschätzung der Ministerin den Vorteil, dass es von der Krise relativ unberührt bleibt.

Als große Herausforderung bezeichnete es Schmidt, künftig noch genügend Menschen zu finden, die sich in der ärztlichen und pflegerischen Versorgung gerade in der Fläche engagieren wollen. Für notwendig hält sie die Schaffung flacher Hierarchien und die Entlastung der Ärzte und der Pfleger von bürokratischen Aufgaben. "Wir müssen der Pflege mehr Kompetenzen geben und wir müssen offener werden für technische Unterstützungsmöglichkeiten wie die Telemedizin."

Deutschland brauche mehr Modelle wie "Schwester Agnes", sagte die Ministerin. Ärzte sollten solche Konzepte nicht als Bedrohung ihrer Existenz, sondern als Bereicherung verstehen, forderte sie. Nichts spreche dagegen, dass Ärzte ihre medizinischen Fachangestellten für solche Aufgaben weiterbilden. "Die Freiheit des Arztes, wie er sich organisiert und mit wem er zusammenarbeitet, bleibt erhalten."

Trotz der aktuell großen Unzufriedenheit der Ärzte mit dem neuen Honorarsystem geht Schmidt davon aus, dass es sich langfristig bewähren wird.

Die Umstellung der Abrechnung von Punkten auf Euro und Cent und die Orientierung des Honorars am medizinischen Versorgungsbedarf seien der richtige Weg. "Einzelheiten, die zu Unverträglichkeiten führen, müssen wir beseitigen. Aber ansonsten müssen wir an diesem System weiterarbeiten", erklärte die Ministerin in Essen.

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Schmidt: Der Fonds schützt vor der Krise

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