Ärzte Zeitung, 19.03.2009

Kommentar

Familienförderung mal ganz konkret

Von Florian Staeck

Plötzlich sind alle dafür: Die Bundesfamilienministerin, die CSU, der Freistaat Sachsen sowieso: In der Debatte über die finanzielle Förderung für Paare mit unerfülltem Kinderwunsch bahnt sich eine Wende an. Das Abschieben der Kosten auf die GKV scheint passé zu sein. Noch Mitte 2008 hat dies anders ausgesehen. Zwar sprach sich der Bundesrat damals dafür aus, die Kassen sollten wieder vollständig die Kosten für die In-vitro-Fertilisation (IvF) übernehmen. Doch das Gesundheitsministerium winkte ab - das sei eine familienpolitische Aufgabe.

Das ist zwar richtig, doch damit war der Vorstoß der Länder vorzeitig beerdigt. Denn Familienpolitiker haben bisher im Gerangel der Ressorts um Steuermilliarden meist das Nachsehen. Trotz aller vermeintlichen Wohltaten, die die große Koalition Familien hat angedeihen lassen, ist die Geburtenzahl nach jüngsten Daten nicht gestiegen. Eine Förderung von Paaren mit unerfülltem Kinderwunsch dagegen hätte messbare Folgen: Das hat sich - negativ - bei der Gesundheitsreform 2004 gezeigt. Seit die Kassen nur noch die Hälfte der Behandlungskosten zahlen, hat sich die Zahl der nach einer IvF geborenen Kinder halbiert. Ein Steuerzuschuss für diese Paare wäre eine konkrete Förderung für - künftige - Familien.

Lesen Sie dazu auch:
CSU fordert höhere Altersgrenze für Kassen-Zuschuss

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