Ärzte Zeitung, 26.03.2009

Eine Internet-Plattform für Kinder, die kranke Eltern haben und Hilfe brauchen

Kinder sind mit einer chronischen Erkrankung ihrer Eltern häufig überfordert. Eine neue Webseite soll ihnen helfen.

Mama gibt den Takt an. Aber wie reagieren Kinder, wenn sie schwer krank wird?

Foto: imago

Witten (acg). Unter www.kinder-kranker-eltern.de hat der Lehrstuhl für familienorientierte und gemeindenahe Pflege der Privatuniversität Witten/Herdecke eine Plattform ins Internet gestellt, die für betroffene Kinder eine Anlaufstelle sein soll.

Wenn Eltern chronisch krank werden, betrifft das meist die ganze Familie. Die Bewältigung des Alltags wird schwieriger und stellt alle Familienangehörigen vor große Herausforderungen. Vieles kann der Kranke nicht mehr selbst erledigen. Die Kinder müssen die entstandenen Lücken schließen und einspringen. Sie helfen im Haushalt, gehen einkaufen, versorgen jüngere Geschwister und werden in die Pflege des kranken Elternteils eingebunden. <> <>

Kinder kommen mit der großen Verantwortung nicht zurecht. Doch wissen sich Familien oft aus Scham oder Angst vor Eingriffen von Außen nicht anders zu helfen. Statt Hilfe anzunehmen, übernehmen die Kinder oder der Partner des Kranken den größten Teil der Arbeit und sind dadurch auch starken psychischen Belastungen ausgesetzt. "Ausgehend von Zahlen aus Großbritannien schätzen wir, dass in Deutschland mehr als 200 000 Kinder betroffen sind", sagt Sabine Metzing-Blau, die am Lehrstuhl für die Plattform verantwortlich ist. Genaue Zahlen existieren noch nicht.

Das Gemeinschaftsprojekt der Universität und der Peter-Dornier-Stiftung ist noch im Aufbau. Es bietet Kindern und Eltern per Mausklick einen Überblick über Beratungsstellen und Kontaktadressen in ihrer Umgebung und enthält kindgerechte Informationen zu den entsprechenden Krankheiten. Außerdem hilft die Seite dabei, in einem moderierten Forum andere Betroffene zu finden. Denn Kindern haben das Bedürfnis, mit jemandem über ihre Situation zu sprechen und sich mit gleichaltrigen Betroffenen auszutauschen.

Die Möglichkeit des Austausches ist längst überfällig - das zeigt ein Blick in das Forum. Bisher haben sich vor allem Betroffene eingetragen, die inzwischen erwachsen sind und unter ihrer damaligen Situation sehr gelitten haben.

Indra schreibt zum Beispiel: "Ich finde schlimm, dass wir als Kinder fast keine Unterstützung bekommen haben, um das alles zu verkraften." Sie wünscht sich, dass sich das für künftige Generationen ändert. "Denn Kinder gehen in solchen Fällen oft unter."

www.kinder-kranker-eltern.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

ALS ist mit Demenz eng verwandt

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste Patient, der an Amyotropher Lateralsklerose leidet.Forscher haben nun herausgefunden, dass ALS und temporale Demenz eng verwandte Krankheitsbilder sind. Das könnte Einfluss auf das Diagnoseverfahren haben. mehr »

Innovationsfonds startet in die Versorgungsrealität

Der Innovationsfonds ist offiziell in die Umsetzungsphase gestartet. Die 300 Millionen Euro für das Jahr 2016 teilen sich 91 Versorgungs- und Forschungsprojekte. mehr »

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »