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Mehr Nacht-Fluglärm, mehr Blutdrucksenker

Die Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf hat eine Karte zur gesundheitlichen Beeinträchtigung durch Fluglärm für Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises erstellt.

Von Friederike Krieger Veröffentlicht:

SIEGBURG. Der Rhein-Sieg-Kreis liegt in der Einflugschneise des Flughafens Köln/Bonn. Schon seit Jahren setzen sich die Ärzte der Initiative dort für ein Nachtflugverbot ein, weil sie der Ansicht sind, dass der Fluglärm die Gesundheit ihrer Patienten in Mitleidenschaft zieht.

Um ihre These zu untermauern, hat die Initiative bereits 2006 den Bremer Epidemiologen Professor Eberhard Greiser mit einer entsprechenden Studie beauftragt. Greiser hat anhand der Daten von zuletzt mehr als einer Million Versicherten im Rhein-Sieg-Kreis die Verordnungshäufigkeit spezifischer Medikamente untersucht. Er kam zu dem Schluss, dass Flughafen-Anwohnern, die nachts besonders starkem Lärm ausgesetzt sind, wesentlich häufiger Arzneimittel wie Blutdrucksenker und Herz-Kreislaufpräparate verschrieben werden als Menschen in weniger belasteten Regionen (wir berichteten).

Auf Basis dieser Daten hat die Ärzteinitiative nun eine Karte zur gesundheitlichen Beeinträchtigung in einzelnen Gemeinden des Rhein-Sieg-Kreises erstellt. "Besonders Siegburg und Lohmar sind stark belastet", sagt Dr. Gerda Noppeney, Vorsitzende der Ärzteinitiative. "Dort besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko durch Fluglärm." Patienten mit Bluthochdruck in Siegburg, die zwischen drei und fünf Uhr morgens Maximalwerten des nächtlichen Fluglärms zwischen 46 bis 62 Dezibel ausgesetzt sind, nehmen der Analyse zufolge eine 67 Prozent höhere Wirkdosis an Blutdrucksenkern ein als der Durchschnitt des Kreises, in Lohmar eine 81 Prozent höhere Dosis. Herz-Kreislauf-Patienten aus Siegburg erhalten eine 70 Prozent höhere Dosis und in Lohmar eine 85 Prozent höhere Dosis ihrer Medikamente. "Nächtlicher Lärm zwischen drei und fünf Uhr ist besonders schädlich, weil die Patienten nicht mehr so tief schlafen und deshalb erhöhtem Stress ausgesetzt sind", sagt Noppeney. Die Ärzteinitiative fordert deshalb Kernruhezeiten für den Flughafen Köln/Bonn.

Um weitere Belege für die Beeinträchtigung durch Fluglärm zu finden, wertet Greiser derzeit Daten zur Einnahme von Tumorpräparaten aus. Ergebnisse erwartet die Ärzteinitative im Frühsommer.

Ärzte-Initiative

Die Versuche der Ärzteinitiative für ungestörten Schlaf, mit ihrer Forderung nach einem Nachtflugverbot auf politischer Ebene Gehör zu finden, waren bisher nicht von Erfolg gekrönt. Das Landesverkehrsministerium NRW hat 2008 die Nachtflugerlaubnis, die 2015 auslaufen sollte, bis zum Jahr 2030 verlängert. Eine von der Ärzteinitiative in Auftrag gegebene Studie berücksichtigte das Ministerium bei seiner Entscheidung nicht.

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Kommentare
Dirk A. Schmidt 27.03.200909:31 Uhr

Politiker und Bürgerwohl?

Köln - Bonn ist in der ganzne Umgegbung NRW / BE, NL) der EINZIGE Flughafen ganz OHNE Nachtflugverbot!
Damit gibt es keine Wettbewerbvsnachteile mehr bei einem Nachtflugverbot (natürlich auch keinen Vorteil zu Lasten der Betroffenen). Nachts raubt der Lärm veraltete Cargo-Flugzeuge tausenden Bürgern den Schlaf - das das KRANKMACHT sagt schon der gesunde Menschenverstand. Gut das es jetzt Untersuchungen gibt. ABER wann endlich wird dieser WAHN in (Köln-Porz-)Wahn gestoppt. Warum richten sich die Bürger nach den Flughafen-Lobbisten und nicht nach der Mehrheit? Dieses Jahr ist Bundestagswahl und Kommunalwahl! Politiker paßt auf - sonst seit Ihr bald Euren Job los!

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