Ärzte Zeitung, 08.04.2009

Halfen Ärzte bei Folter in Guantanamo?

Vertraulicher Bericht des Roten Kreuzes / Medizinisches Personal soll an Folterpraktiken mitgewirkt haben

WASHINGTON (nös). Medizinisches Personal soll in dem umstrittenen US-Gefangenenlager Guantanamo in die Folter von Häftlingen involviert gewesen sein. Das geht aus einem vertraulichen Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) hervor, der jetzt an die Öffentlichkeit gelangt ist.

Waren Ärzte an der Folter von Guantanamo-Häftlingen beteiligt?

Foto: Bildfunk-dpa

Der Bericht wurde bereits Anfang 2007 für den US-Geheimdienst CIA erstellt und schildert Aussagen von 14 Häftlingen, wonach medizinisches Personal direkt an der Folter mitgewirkt hat. Medizinische Angestellte sollen bei dem so genannten "Waterboarding" regelmäßig die Vitalwerte der Gefangenen überprüft haben. Wurde etwa eine kritische Sauerstoffsättigung erreicht, sollen sie die Vernehmer angewiesen haben, den Prozess zu unterbrechen.

In einem anderen Fall wurde dem Bericht zufolge ein Häftling mit nur einem Bein so gefesselt, dass er mit seinen Armen an der Decke hing und der Fuß gerade den Boden berührte. Nach seinen Aussagen habe ein Arzt regelmäßig seinen Beinumfang gemessen. Als das Bein nach einiger Zeit zu stark angeschwollen sei, habe er sich auf Anraten des Arztes hinsetzen dürfen. Gegenüber einem anderen Häftling soll sich ein Mediziner mit den Worten geäußert haben: "Ich schaue nur, wie es ihnen geht, weil wir sie noch für die Befragung brauchen."

Mit ethischen Standards nicht vereinbar.

Ob es sich bei dem Personal immer um Ärzte gehandelt hat, ist allerdings nicht klar. In dem Bericht wird ausschließlich von "medizinischem Personal" gesprochen, was auch auf Sanitätskräfte zutrifft. Für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz ist dieser Aspekt allerdings nicht entscheidend. Fakt bleibe, dass es "Ärzten und medizinischem Personal verboten ist, ihr Wissen für solche Praktiken (Folter) anzuwenden", heißt es in dem Bericht. Vielmehr sei es ausdrücklich ihre Aufgabe, die Gefangenen vor Folter zu schützen.

Für das IKRK sieht es so aus, dass die medizinischen Angestellten in erster Linie den Folterprozess betreuen sollten. Wenn sich das bewahrheite, so das Komitee, hätten sie sich direkt an der Folter beteiligt, was mit internationalen ethischen Standards nicht zu vereinbaren ist.

IKRK-Bericht: http://tiny.cc/Xg2TU

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